Schieflagen 03: Wohnungslosigkeit in München

Shownotes

Weitere Podcasts der Reihe findet man hier: https://schieflagen.podigee.io/ Hier geht es zum Video: https://youtu.be/3iTTRYJGQV8 Weitere Informationen zum Projekt Schieflagen: https://www.petrakellystiftung.de/de/2020/07/27/unser-videoprojekt-schieflagen


Weitere Informationen

Straßenzeitung BISS: https://biss-magazin.de/ Teestube „komm“, eine Einrichtung des Evangelischen Hilfswerks München: https://teestube-komm.de/ Amt für Wohnen und Migration der LH München: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Wohnungsamt.html Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe München und Oberbayern: https://wohnungslosenhilfe-bayern.de/

Weiterführende Informationen: F.A.S.T. (Präventionsmaßnahmen) in München: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Wohnungsamt/Wohnungsverlust-droht.html B.A.G. Wohnungslosenhilfe: https://www.bagw.de/ Hilfeeinrichtungen in Südbayern: https://wohnungslosenhilfe-bayern.de/?page_id=19 Netzwerk Wohnungslosenhilfe: https://wohnungslosenhilfe-muenchen.net/ https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-coronavirus-sozialpolitik-obdachlosigkeit-1.5027427


Ein Projekt der Petra-Kelly-Stiftung (https://www.petrakellystiftung.de/)) und der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e.V. (https://www.agfp.de/)) Produziert in Kooperation mit Rebecca Zehr (www.rebeccazehr.com)) und Felix Press Musik: "Vibe Ace" Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 3.0 License https://creativecommons.org/licenses/


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Transkript anzeigen

00:00:01: Herzlich willkommen zum Podcast Schieflagen, die Interviewsreihe, die zusammen mit dem gleich benannten Videoprojekt von der Petra Kelli Stiftung und der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik produziert wird.

00:00:12: Wenn ihr dieses jähriges Video über Wohnungslosigkeit in München und Umland noch nicht angeschaut habt, schlage ich euch vor, dies noch zu machen, damit ihr Gesichter zu unseren InterviewpartnerInnen verbinden könnt.

00:00:24: Der Link findet ihr in den Show Notes dieser Episode.

00:00:27: Als wir uns mit Frau Loa, Uwe, Herr Lochner, Herr Scheuermann und Herr Meyer getroffen haben, haben wir festgestellt, dass es einfach so viel über das Thema Wohnungslosigkeit zu sagen gibt und unseren kurzen Videoprojekt nicht gereicht hätte, alles zu handeln.

00:00:41: Deswegen haben wir für euch die noch sehr relevanten Teile unseren Interviews in diesem Podcast zusammengeschnitten, damit ihr einen besseren Überblick kriegen könnt über Akteurinnen und Initiativen, die sich in München und Südbayern für Obdachlose und Wohnungslosen sich engagieren.

00:00:57: Ich bin eure Carmen Romano und freue mich sehr, dass ihr alle dabei seid.

00:01:07: Fangen wir mit einer Vorstellung an.

00:01:09: Wer macht bei diesem Podcast mit?

00:01:11: Wir

00:01:11: hier sind die BIS in Münchner Straßenzeitung.

00:01:15: Wir werden von armen und ehemals abtachlosen Menschen auf der Straße verkauft.

00:01:19: BIS heißt ausgeschrieben, Bürger in sozialen Schwierigkeiten.

00:01:24: Das heißt, die Leute, die kommen und die Zeitung verkaufen, sind entweder armen und abtachlos oder warms oder ... sind in Gefahr, das zu werden.

00:01:32: Die brauchen Hilfe.

00:01:33: Darum kommen sie zu BISS.

00:01:34: Um.

00:01:35: mein Name ist Karin Lohr.

00:01:36: Ich bin die Geschäftsführerin von BISS.

00:01:39: Ja, ich heiße Uwe.

00:01:40: Ich bin sixty-fünf Jahre alt und arbeite hier seit Beginn der Zeitung.

00:01:46: Ich bin also Gründungsmitglied von der Zeitschrift.

00:01:49: Und was mache ich hier?

00:01:51: Ich zuhaltende mit dem Vertrieb mit organisieren und... Sie verkäufer ein bisschen Betreuen, also Verkäuferbesuchen auf den Schandscheinplätzen.

00:02:01: Das Wichtigste habe ich noch fast vergessen, dass ich in jemanden Schulen gehe und Unterricht halte.

00:02:06: Über Obdachlosigkeit, Armut, Ausgrenzung und etc.

00:02:10: Ich bin dann an gewissen Schulen, also von Kindergarten ab bis zur Universität, Bundeswehr und auch bei der Bundespolizei.

00:02:18: Mein Name ist John Scheuermann.

00:02:20: Ich bin der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe München und Oberbayern und über das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales mit der Koordination der Wohnungslosenhilfe in ganz Südbayern betraut.

00:02:33: Das hört sich jetzt hochspurig, großspurig an.

00:02:37: Was es damit auf sich hat, wir arbeiten nicht direkt mit betroffenen Menschen, sondern wir sind eher hinter den Kulissen tätig und wir beraten, weil Wohnungsnotfallhilfe so viele Facetten hat.

00:02:47: Dann sind wir zuständig.

00:02:49: circa tausend zweihundert Gemeinden zu beraten für ihre Zuständigkeit.

00:02:53: Wir sind zuständig für neundreißig Landkreise und zehnkreisfreie Städte.

00:02:58: Eine kleine Stadt davon ist ja München, die drittgrößte Stadt in Deutschland.

00:03:02: Wir haben drei Regierungsbezirke zu beraten in ihrer eigenen Zuständigkeit.

00:03:06: Und dann gibt es natürlich ganz viele sogenannte Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und auch deren angeschlossene freie Träger.

00:03:13: Und alle, die irgendetwas mit Wohnungsnotfallhilfe zu tun haben, wenn sie Rat und Tat brauchen, dann melden sie sich hier.

00:03:19: Und wir versuchen, ganz gute Lösungen zu finden, wie man vor Ort mit dem Problem dann umgehen kann.

00:03:25: Und noch haben wir Herr Lochner interviewt.

00:03:28: Stellvertretende Leitung der T-Stube.com, eine Einrichtung des evangelischen Hilfswerks München, der die Arbeit der T-Stube uns vorgestellt hat.

00:03:36: Ich habe bei uns Arbeiten Sozialpädagogen, weil wir felsenfestebezeugt davon sind, dass es Fachwissen braucht.

00:03:44: zum einen.

00:03:45: Bezug auf Rechtsfragen, z.B.

00:03:47: in Bezug auf den Umgang miteinander, psychologische Fragen, spielt eine Rolle in der Beratung.

00:03:53: Das Thema Sucht spielt eine Beratung.

00:03:55: Der Umgang mit Ämtern und Behörden spielt eine Beratung.

00:03:58: Briefe verfassen, Begleitungen zu Ämtern und Behörden spielen oder auch in Kooperationseinrichtungen spielt eine Rolle.

00:04:06: Also dafür brauchen wir Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen.

00:04:10: Das ist aus meiner Sicht nicht denkbar.

00:04:18: Lass

00:04:19: bei noch ein Liste.

00:04:20: haben wir noch mit Herrn Mayern geredet, Leiter des Amtes für Wohnen und Migration der Stadt München.

00:04:25: Apropos Herr Mayer, wer arbeitet eigentlich in die Stadt mit und für Wohnungslosen und Obdachlosen?

00:04:31: Also grundsätzlich ist zuständig das Amt für Wohnen und Migration.

00:04:36: Im Amt gibt es unterschiedliche Strukturen und dann gibt es zusätzlich natürlich verschiedene freie Träger, Wohlfahrtsverbände, die Einrichtungen betreiben, die Angebote machen, die zum großen Teil von uns finanziert werden und Bereichen von einer dauerhaften Betreuung auch vom Bezirk Oberbayern.

00:04:53: Bei uns intern gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten zwischen der akuten Wohnungslosigkeit, einer echten Obdachlosigkeit, der Gefahr der Wohnungslosigkeit, Beratung oder auch Vermittlung von Wohnraum.

00:05:06: Da gibt es ganz unterschiedliche Bereiche mit unterschiedlichen Menschen, die da natürlich auch agieren.

00:05:11: Und man merkt jetzt schon an dem, was ich gesagt habe, dass es natürlich die Rahmenbedingungen.

00:05:15: drohende Wohnungslosigkeit, Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit sind an sich auch schon drei verschiedene Zustände, in denen sich dann Menschen befinden.

00:05:26: Sprich die mündlichen Erbohrungslosenhilfe spielt natürlich eine riesige Rolle, weil es ist so in der T-Stuppe kann man nicht übernachten.

00:05:35: Wir bieten einen Tagesaufenthalt an, aber kein einziges Bett.

00:05:39: Es gibt keine Möglichkeit hier nach zwanzig Uhr abends sich noch aufzuhalten.

00:05:43: Das heißt, damit die Sozialpädagogen was anbieten können, um die Menschen von der Straße wegzubekommen.

00:05:50: müssen sie auf die Ressourcen anderer Einrichtungen zurückgreifen.

00:05:53: Und deswegen arbeitet die T-Stube zusammen mit allen Münchner Einrichtungen, die der Wohnungslosenhilfe in München angehören.

00:06:02: Und da ist es für uns egal, ob da auf dem Titel der Einrichtung katholisch oder evangelisch oder gar nichts steht.

00:06:10: Wir kooperieren mit allen Einrichtungen der Münchner Wohnungslosenhilfe.

00:06:14: Das ist deswegen auch ganz besonders wichtig, weil es in München seit langer Zeit mittlerweile ganz viele spezialisierte Einrichtungen gibt.

00:06:23: Zum Beispiel gibt es Einrichtungen, die sind vorrangig für Suchtkranke, Obdachlose da, wo man zum Beispiel auch trinken darf, wenn man dort einzieht.

00:06:33: In anderen Einrichtungen ist das wieder nicht der Fall.

00:06:35: Die sind dann wieder speziell für Ältere und Gebrechliche und und und und.

00:06:39: Und wir könnten gar nicht in alle vermitteln, wenn wir nicht sagen würden, Für uns spielt es keine Rolle, wer der Träger der anderen Einrichtung ist.

00:06:48: Wir arbeiten mit denen zusammen, die fachlich die besten sind für die Menschen, um die es geht.

00:06:54: Es ist

00:06:58: ganz unterschiedlich.

00:06:59: Also ich habe das Gefühl und auch mein nordbarischer Kollege, wir haben das Gefühl, dass grundsätzlich zum Beispiel die Gemeinden ihre Aufgaben nachkommen, wenn es darum geht, Menschen eine Notunterkunft zur Verfügung zu stellen.

00:07:12: Wenn das nicht funktioniert und wir zum Beispiel mitbekommen, dass der Oberbürgermeister X und der Gemeinde Y seiner Verpflichtungen... diese Hilfe anzubieten, nicht nachkommt, dann helfen wir gerne nach, indem wir die anrufende Person dabei beraten, wie sie zum Beispiel vor Gerichten eine einstweilige Verfügung erwerken kann, damit zumindest eine Notunterkunft für die Nacht sichergestellt ist.

00:07:33: Und so kommt es ein bisschen darauf an.

00:07:34: Ich kann auf eine Gemeinde kommen, da bekomme ich wirklich direkt und schnelle Hilfe.

00:07:38: Und ich kann in eine Gemeinde kommen, wo eher eine abwährende Haltung ist, wo man manchmal auch die eigentlich rechtswidrige Auskunft bekommt, dass man nicht zuständig wäre und dass man doch besser in die nächstgelegene Stadt fahren sollte.

00:07:50: Also das Bild ist komplett heterogen.

00:07:52: Und das heißt, ich kann nur eine Differenzierung vornehmen, je weniger Einwohner eine sogenannte Gebietskörperschaft hat, also ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt, desto weniger Fälle gibt es.

00:08:04: Aber Fälle gibt es überall.

00:08:06: Ziel unseres Videos war unter anderem die Stereotypen, Überwohnungslosigkeit zu kontern und die Lebensrealitäten der Menschen zu zeigen.

00:08:14: Was haben unsere Interview-Partnerinnen dazu gesagt?

00:08:17: Also einmal, dass man sagt, die sind faul die Leute, die wollen nix machen, die könnten wäre ganz leichter oder so, die sollen doch irgendwo arbeiten.

00:08:29: Unsere Erfahrung ist, dass die Leute schon wollen, aber dass der Arbeitsmarkt, so wie er im Kapitalismus organisiert ist, diejenigen, die nicht die volle Leistung bringen, einfach ausspuckt.

00:08:38: Also das ist ein großes Vorurteil.

00:08:40: Das andere ist dieses, dass man sagt, die haben ein schönes Leben auf der Straße, hat Kloschar, man ist frei, man kann im Freien sein viel, aber man hat keine Verpflichtungen.

00:08:49: Nein, ein Leben auf der Straße ist hart und macht die Leute auch kaputt und ist eigentlich nicht zu ertragen.

00:08:55: Dann der dritte Vorteil, die wollen ja gar nicht in eine Wohnung, doch wenn es bezahlbaren Wohnraum gäbe in Deutschland, würden die Leute auch natürlich gerne in eine Wohnung gehen, aber entweder gibt es keine Wohnungen oder sie sind schon aus Wohnungen rausgefallen.

00:09:09: Aber an sich ist ein Leben mit einer ordentlichen Wohnung und am ordentlichen Arbeitsplatz, mit einem sozialen Netzwerk, wo man Kollegen hat, Freunde, Kontakte, Partner, Beziehungen.

00:09:20: Das ist der Wunschtraum eines jeden Menschen und auch der Wunschtraum von Menschen, die auf der Straße leben müssen und sich aber trotzdem eine bessere Zukunft erhoffen.

00:09:30: Eigentlich als erstes, ja, das war alle Obdachosen-Dement als selber Schuld bezeichnet.

00:09:36: Es ist zum Beispiel ja, sechzig bis siebzig Prozent.

00:09:39: Von den Obdachlosen können eigentlich nichts dafür, dass er obdachlos sind, weil in dem Moment entweder durch Wohnungsauflösungen oder auch durch Kündigungen oder auch durch Krankheit, dass sie da in die Mitte nicht mehr bezahlen können und dann da rausfallen aus dem sozialen Netz und v.a.

00:10:01: Weil in dem Moment hier in München ist das ganz Karrieren, es gibt kein bezahlbaren Wohnraum oder sehr wenig.

00:10:08: Und das ist halt einfach das, was man immer wieder vergisst, dass die Leute in dem Moment einfach dummerweise Pech gehabt haben, sodass sie da in das Raster reingefallen sind.

00:10:18: oder dass sie fauel sind, ich habe das hier erlebt, dass die Leute eigentlich, die wo zu uns kommen, sehr fleißig sind und auch ihre Arbeit schätzen, dann wenn sie überhaupt meine Arbeit kriegen und wenn sie auch anständig behandelt werden, dann sind die Indiemen sehr fleißig sogar und dass die meisten nur in der sozialen Hängematte hängen wollen und sich dann in schönen Lenz machen auf Kosten von anderen, wo ein Indiemen sagt, ja, das ist eigentlich... Überhaupt bestimmt, weil, gut in Ordnung, es sind zwanzig, fünfundzwanzig Prozent, wo man sagt, diese wollen wirklich in die Menge einen Schad ausnutzen, aber das ist auch in der normalen Bevölkerung so, als wenn einer mit hunderttausend, hundertzwunderttausend Euro einen deutschen Schad bescheißt, auf gut gesagt wegen Scheierhinterziehung, da sagt man, die Mennkavaliersdelikt, wenn es ein Obtachloser macht, dann wollen.

00:11:08: Fünfzig Euro daneben herverdient, ja.

00:11:11: Dann heißt es gleich, der will den Staat betrügen und das sind dann die Vorurteile, wo wir am meisten

00:11:16: stehen.

00:11:17: Ja, also das ist so, dass wir in diesem wohnungslosen System auch viele Menschen haben, die selber Geld verdienen, die auch... Kostenanteile mitbezahlen, weil das natürlich teuer ist.

00:11:29: Man wird da auch betreut.

00:11:31: Man muss praktisch die ganze Struktur logischerweise ja mit finanzieren und statt.

00:11:34: Das heißt, wir verlangen dann natürlich auch von den Menschen entsprechende Gebührenanteile, die wir mal gar nichts verdient vom Jobcenter übernommen werden, aber viele verdienen und zahlen dann auch ihren Anteil.

00:11:45: Das heißt, es ist nicht so, dass da irgendjemand praktisch so

00:11:48: locker

00:11:48: in der Notunterkunft in der Hängemarte liegt und da erwartet, bis jemand vorbeikommt.

00:11:53: Sondern in der Regel sind diese Menschen auch bemüht, wieder in eine Wohnsituation zu kommen, weil, wie ich vorher schon erzählt habe, das ist nicht angenehm, in einer Notunterkunft auf Dauer zu sein.

00:12:03: Man hat keine Privatsphäre für die Kinder.

00:12:05: Es ist ganz schlimm, weil die haben nicht irgendwo ein Kinderzimmer zum Spielen.

00:12:09: Die haben oft auch nicht mal ein schreibtischem Hausaufgaben zu machen.

00:12:12: Die gehen dann in Gemeinschaftsräume.

00:12:14: der Betreuung in der Unterkunft, um dort die Hausaufgaben zu machen, weil es dort heute einfacher möglich ist, weil im eigenen Zimmer es oft auch mit Geschwistern dann gar nicht geht.

00:12:23: Von den knapp zehn tausend wohnungslosen Menschen, die wir in München haben, sind nur um die fünfhundert bis tausend, ganz genau weiß man das nicht, wir zählen jetzt gerade einmal wieder auf der Straße.

00:12:36: Die anderen sind tatsächlich in Notunterkünfte.

00:12:38: Wohnungslosigkeit ist vielschichtig.

00:12:41: geht bis in die Mittelschicht hinein, kann auch jemanden aus der Mittelschicht treffen und ist eine schwierige Lebenssituation, die man nicht unterschätzen darf, sondern die man ernst nehmen muss und wo die Menschen Unterstützung brauchen.

00:12:55: Herr David, oft vergessen, dass jeder wohnungslose ein individuelles Schicksal hat, eine individuelle Biografie, dass jeder anders ist als der nächste wohnungslose und man ist ganz oft geneigt dazu.

00:13:08: alle Menschen auf der Straße über einen Kamm zu scheren und ganz viele Menschen sind überzeugt davon, dass die Leute doch selber schuld sind und Stereotypen sind, ja, die stinken, ja, die saufen alle und, und, und.

00:13:21: Und das sagen wir dazu.

00:13:24: Ja, natürlich trifft es bei dem einen oder anderen zu, aber das hat alles seine Gründe und das ist alles ein... Verhalten, das jemand mal erlernt hat und dass jemand auch wieder verlernen kann und dann dessen stelle er auch ein anderes Verhalten wieder erlernen kann, was natürlich nicht immer leicht ist.

00:13:43: Ich mag den Menschen da draußen erzählen, dass Wohnungslosigkeit ganz viele verschiedene Gesichter hat.

00:13:48: Klassisch wohnungslos bedeutet aktuell ist weiblich und hat ein des zwei Kinder.

00:13:54: In München allein sind circa tausend siebenhundert Kinder aktuell von Wohnungslosigkeit betroffen.

00:13:59: Sind glücklicherweise mit einem oder sogar beiden Elternteilen in einer Einrichtung der wohnungslosen Hilfe.

00:14:05: Aber ihr seid selbst in die Schule gegangen.

00:14:07: Ihr wisst ganz genau, wie sich das anfühlt, wenn man lernen muss, wenn man seine Ruhe braucht, wenn man auch mal keinen Bock auf seine Eltern hat, wenn man irgendwie mal so ein bisschen Abstand braucht, auch ein bisschen Raum für sich selbst.

00:14:18: Diese Kinder nicht.

00:14:19: Und das muss uns einmal vergegenwärtigen, dass du siehst heutzutage der Spitze des Eisbergs durchaus noch an, dass die Menschen wohnungslos sind, aber dem Eisberg darunter nicht.

00:14:30: Und noch.

00:14:30: Wir haben gesehen, dass das Thema Wohnungslosigkeit viel mehr Menschen betrifft, als es wahrgenommen wird.

00:14:36: Es betrifft beispielsweise viele allianzierende Frauen, es betrifft viele Menschen, die arbeiten, aber keine Wohnung in teurer Städte wie München sich leisten können und noch Migrantinnen.

00:14:47: Dazu hatte Herr Mayer Folgendes gesagt.

00:15:12: Und auch da muss man praktisch sehen, da muss es anliegen sein, dass die Situation dieser Menschen sich verbessert.

00:15:18: Gerne im Heimatland, aber gerne auch hier, sodass man auch versucht, die zu unterstützen.

00:15:23: Dass man auch schaut, dass die nicht auf einen präkären, schwarzen Arbeitsmarkt angewiesen sind, sondern letztendlich auch in ordentliche Beschäftigung kommen

00:15:30: können.

00:15:31: Für Menschen, die sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben, ist es schwierig, sich das vorzustellen.

00:15:36: Die isst es, keine eigene Wohnung zu haben.

00:15:39: Wie ist es, beispielsweise in einer Notunterkunft zu leben?

00:15:42: Ja, sie sind verheiratet, haben zwei Kinder, es gibt eine Trennung

00:15:47: und

00:15:48: mit dem eigenen Einkommen kann dann die Mutter vielleicht die Wohnung nicht mehr bezahlen.

00:15:54: Alle Hilfsmaßnahmen, die es da gibt, auch die Unterstützung dann über das Jobcenter oder das Sozialbürgerhaus, reichen nicht aus, weil der Vermieter sagt, nein, das will ich jetzt nicht mehr.

00:16:05: Das ist mir zu unzuverlässig.

00:16:06: Ich kündige wegen der vielleicht mal zwei, drei Mieten, die im Verzug war, jetzt das Mitverhältnis.

00:16:13: Und diese Frau findet dann erst mal keine neue Wohnung, trotz aller Unterstützungsmöglichkeiten.

00:16:20: Und sie bekommt auch nicht so schnell eine Sozialwohnung, weil wir zu wenige Sozialwohnungen in München haben.

00:16:26: Dann wird irgendwann einmal Mussi aus der Wohnung raus und kommt mit ihren zwei Kindern in eine Notunterkunft, in eine Pension, wo sie dann mit den zwei Kindern in einem Zimmer liegt, wo sie das Bad, die Dusche, die Toilette mit anderen Familien teilen muss

00:16:44: und wo auch

00:16:45: mal keine eigene Küche mehr hat, sondern man kocht praktisch in so Gemeinschaftsküchen, wo wegen der Brandgefahr alle zehn Minuten auf einen Taster drücken muss, damit der Ofen nicht ausgeht.

00:16:56: Also praktisch, wenn man sich das... vergleicht mit dem, was man in der eigenen Wohnung für eine Situation hat, dann ist das radikal anders.

00:17:03: Und das macht natürlich etwas mit den Menschen, weil das natürlich schon entgrenzt und sehr stark beeinträchtigt.

00:17:12: Das heißt, es ist für niemanden angenehm, in so einer Situation zu sein.

00:17:16: Und das Bessere ist immer, wenn man dann wieder in einer Wohnung

00:17:19: ist.

00:17:20: Die Sache ist die, es gibt in Deutschland bekannte Armutsrisiken.

00:17:24: Und für mich in meinem Verständnis ist, ohne Wohnung zu sein, ohne eigenes Obdach zu sein.

00:17:30: Ich meine, stellt euch vor, ihr könnt nicht nackt durch eure Wohnung laufen.

00:17:33: Ihr habt keinen Kühlschrank, wo ihr Sachen... die ihr eingekauft habt, kochen wollt, hinbringen könnt.

00:17:39: Ihr habt kein eigenes Bett, wo ihr euch zurückziehen könnt.

00:17:42: Ihr habt keinen persönlichen Raum, wo ihr eure Sachen abschließen könnt und weißt, dass die gut aufgehoben sind.

00:17:48: Und das ist eine echt extreme existenzielle Bedrohung und für mich mit die krasseste Form von Armut, unter der man in unserer Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland quasi im wahrsten Sinne des Wortes leiden kann.

00:18:01: Wenn du dir Armuts riesigen anschaust, dann kannst du identifizieren, wer es von Armut in der Bundesrepublik am meisten betroffen ist.

00:18:08: Es sind arbeitslose Menschen, es sind alleinerziehende Menschen mit ihren Kindern und statistisch gesehen ist alleinerziehend in Deutschland immer noch meistens eine Frau und nicht ein Mann.

00:18:20: Es sind Menschen mit Migrationshintergrund, die auch auf so Mietwohnungsmarkt, ich weiß nicht, ob ihr Reportagen schon mal gesehen habt oder kennt, wo Menschen berichtet haben, dass alleine ihr türkisch sich anhörende Name dazu geführt hat, dass sie noch nicht mal zur Wohnungsbesichtigung eingeladen worden sind.

00:18:36: Das heißt, da scheinen auch diskriminierende Faktoren eine Rolle zu spielen.

00:18:39: Und dadurch das Niveau der Mieten in München schon immer relativ ambitioniert war, müsst euch vorstellen, München hat ein Zuzug aktuell von ca.

00:18:49: dreißigtausend Menschen pro Jahr.

00:18:51: Davon haben ca.

00:18:52: sechzehn bis achtzehntausend Menschen Anspruch auf sozial geförderten Wohnraum.

00:18:57: Aber die Stadt kann nur drei bis viertausend Wohnungen.

00:18:59: die entsprechend Mieten haben vergeben.

00:19:02: Das heißt, da ist ein enormer Druck auf dem Mietwohnungsmarkt und Menschen, die zum Beispiel im Niedriglohnsektor arbeiten, Menschen, die arbeitslosen Geld zwei oder Sozialhilfe bekommen, finden auf dem Mietwohnungsmarkt keine eigene Wohnung und sind sogar, wenn sie teilweise, voll erwerbstätig sind, angewiesen auf Einrichtung der wohnungslosen Hilfe, dass sie dort einen Platz zum Schlafen finden.

00:19:25: Und wie ist es, auf die Straße zu leben?

00:19:27: Also das Leben auf der Straße ist geprägt durch eine ganz, ganz große Unsicherheit.

00:19:32: Es ist nicht sicher, wenn man keine eigene Wohnung hat.

00:19:36: Man ist Wind und Wetter ausgesetzt, man ist Gewalt ausgesetzt, Gewalt einerseits durch andere Menschen, durch andere Wohnungslose, also innerhalb der Gruppe, aber auch Gewalt durch unbeteiligte Menschen, zum Beispiel ein ganz plastisches Bild, bedrunken die Nachts durch die Straßen ziehen und sich ein Spaß draus machen.

00:19:57: Ja, einzuschlagen, einzutreten, es geht ja bis hin zu obdachlose werden nachts angezündet werden des Schlafens.

00:20:03: Alles schon vorgekommen in unserem Land in den letzten Jahren.

00:20:07: Man ist relativ schutzlos auf der Straße, wenn man allein ist.

00:20:11: Man ist auch schutzlos, nicht nur Gewalt gegenüber.

00:20:14: Also körperliche Gewalt, sondern mehr ist zum Beispiel auch Willkür von Sicherheitsdiensten und Polizisten ausgeliefert, die vielleicht im Obdachlosen gegenüber härter auftreten als einem Menschen, von dem sie glauben, der sei in normalen Lebensverhältnissen.

00:20:29: Also Willkür ist ein Problem, Gewalt, Kälte, aber natürlich auch die ganz dringende Frage, ja, wovon lebe ich denn?

00:20:39: heute und morgen?

00:20:40: und wird es meinen Schlafplatz in der nächsten Nacht auch noch geben?

00:20:44: oder kann ich da nicht mehr sein, weil irgendwas passiert, weil er geräumt wurde oder weil das Abbruchhaus abgebrochen wird oder oder oder.

00:20:53: Im Jahr ist es fast unmöglich auf diese Frage zu verzichten.

00:20:58: Wie hat die Pandemie die Lage geändert?

00:21:00: Wie sieht es für Wohnungslosen anders aus und für die Arbeit der Errichtungen, die wir interviewt haben?

00:21:06: Viele Obdachlose haben ja ihre Strukturen.

00:21:08: Die wissen, morgens gehe ich zur St.

00:21:11: Bonifatz, mittags gehe ich zur Blumenschraße.

00:21:14: Das sind lauter Essenstellen, muss ich dazu sagen.

00:21:17: Und abends gehe ich oder mittags gehe ich in die T-Strube kommen und abends gehe ich dann dahin.

00:21:22: Die haben sich dann richtig strukturell eingerichtet und es hat dann indirekt alles gefehlt, weil alles geschwossen war.

00:21:29: Und da sind natürlich viele Leute dann in den Moment auch eigentlich... Wir haben nicht mehr gewusst, was anstehen sollen.

00:21:35: Weil es Sozialamt hat ja auch zu gehabt oder nur per Anmeldung.

00:21:39: Und wenn man kein Telefon hat und kein Geld hat, dann wie soll man sich da anmelden?

00:21:44: Die Pandemie hat so viel Unseherheit geführt bei den Menschen auf der Straße.

00:21:51: Das ging los damit, dass durch die Ausgangssperre oder Ausgangsbeschränkungen in München, in Bayern, ja von einem auf den anderen Tag eigentlich kaum noch Menschen auf der Straße unterwegs waren.

00:22:02: Dann ist auch nicht mehr gefeiert worden draußen im März.

00:22:06: Das heißt, da sind schon mal... für wohnungslose zwei ganz wichtige Einkommensquellen weggefallen.

00:22:12: Man konnte nicht mehr Flaschen sammeln, weil es keine Pfandflaschen mehr gab, die dadurch, dass niemand mehr draußen gefeiert hat.

00:22:19: Und das andere ist das Thema Betteln.

00:22:22: Dadurch, dass kaum noch Menschen unterwegs waren zur Beginn der Pandemie, hat man damit eigentlich auch kaum noch Geld verdienen können.

00:22:30: In der Folgezeit sind die Preise für Lebensmittel gerade für frische Lebensmittel.

00:22:36: ziemlich stark angestiegen.

00:22:38: Es spürt natürlich jemand mit sehr wenig Geld ganz extrem.

00:22:41: Und das Kilo Orangen nicht mehr einst fünfzig, sondern zweifünfzig kostet.

00:22:45: Es ist ein Riesenunterschied für jemanden, der am Tag von, sagen wir mal, zwölf, zehn, zwölf Euro lebt.

00:22:51: Es ist schwieriger geworden, Termine bei Ämtern und Behörden wahrzunehmen.

00:22:56: Es ist auch schwieriger geworden in Unterkünfte reinzukommen.

00:22:59: Ja, weil natürlich auch für Unterkünfte nicht klar war, zieht da jemand ein der Corona.

00:23:06: oder Corona positiv im schlimmsten Fall sogar ist.

00:23:08: Also hat man gesagt, da müssen die Lode getestet werden.

00:23:11: Das ist eine zusätzliche Hürde.

00:23:13: Das waren natürlich gerade zu Anfangszeiten besonders heftig, als es die Tests noch nicht so viel gab, wie sie jetzt zur Verfügung stehen.

00:23:23: Einfach deutlich weniger Aufenthaltsmöglichkeiten, wenn in einem ganzen Land die Gaststätten geschlossen werden, die Einkaufszentren geschlossen sind und so weiter.

00:23:32: Also auch das Thema Hygiene, Hände waschen, auf die Toilette gehen und so weiter.

00:23:36: Das war plötzlich im März und April ein ganz, ganz dringendes Thema.

00:23:41: Das ist jetzt wieder besser, aber... Das waren zwei sehr, sehr harte Monate für Menschen, die nichts haben und keine Möglichkeit haben, zu Hause Hände zu waschen oder sich zu duschen.

00:23:52: Die T-Stube hat die ganze Zeit offen gehabt.

00:23:55: Es ist so, wir mussten natürlich auch hier im Haus Plätze reduzieren.

00:24:00: Es ist sehr eng, es ist sehr verwinkelt.

00:24:02: Wir können jetzt leider nur noch einen Bruchteil der Menschen aufnehmen, die vorher hierher kommen konnten.

00:24:08: Hatten seit den Neunzehnundundundachtzig immer siebzig Sitzplätze.

00:24:11: Das ist vorbei diese Zeit.

00:24:12: Es ist nicht mehr denkbar, dass sich die Menschen gegenseitig gefährden würden.

00:24:18: Dadurch, dass sie keine Abstände einhalten können bei siebzig Sitzplätzen.

00:24:23: Also ich habe ja einen Blick wirklich auf alle möglichen Hilfseinrichtungen, die es in den Regierungsbezirken schwaben.

00:24:29: Oberbayern und Niederbayern gibt.

00:24:31: und was mit des Erster war, ist, dass Kontakt abgebrochen ist.

00:24:35: Ich bin eigentlich permanent im Auto unterwegs oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

00:24:41: Besuch Gemeinden, Besuchestädte, Besuche freie Träger.

00:24:45: Schau, wie die Situation vor Ort ist und das hat sich natürlich brutal verändert.

00:24:49: Also mein Weg zu Informationen ist ein deutlich längerer geworden.

00:24:52: Das heißt, ich kriege aktuell mit, wenn es irgendwo Probleme.

00:24:55: hat.

00:24:55: Nicht, dass so trotz ist, die Situation, wie sie sich in München entwickelt hat, so ein bisschen stellvertretend, weil allen Orts versucht wurde, die Strukturen, die Hilfestrukturen für wohnungslose Menschen und auch für die Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, aufrecht zu erhalten.

00:25:11: Und nicht, dass so trotz, ihr wart ja schon in der T-Stube gewesen, so ein Klassiker hier in München, eine tolle Einrichtung, wo Menschen sich über Tag aufhalten können, ein Tee trinken können, Wäsche waschen können einfach.

00:25:23: ganz alltäglichen Dingen nachgehen, die man halt nicht so machen kann, wenn man keine eigene Wohnung mit eigener Waschmaschine oder Küche hat.

00:25:29: Und natürlich muss man auch sich überlegen... Was muss so eine Einrichtung machen in der jetzigen Zeit?

00:25:33: Sie müssen auch Abstände einhalten.

00:25:35: Das heißt, sie müssen begrenzen, wie viele Menschen zeitgleich vor Ort sein können.

00:25:39: Sie müssen gucken, können wir die Öffnungszeiten aufrechterhalten.

00:25:42: Sie müssen auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schauen.

00:25:46: Mein Herz schlägt für alle Mitarbeiter in der wohnungslosen Hilfe, weil die riskieren gerade im wahrsten Sinne des Wortes eine Infektion, weil sie in Räumen mit Menschen arbeiten, die sogar mit des höchstgefährdungspotenzialen mitbringen.

00:25:59: zu erkranken, weil wo will sich jemand karantelisieren, der keine Wohnung hat.

00:26:04: Und da hat gerade in München die Wohnungsnotfallhilfe zusammen mit der Stadt ganz, ganz viel auf den Weg gebracht, ganz viel aufgemacht, sogar Angebote, wie im Übernachtungsschutz in der Bayernkaserne, erweitert.

00:26:16: Und das ist schön anzuschauen.

00:26:17: und trotzdem können die ganzen Bedarfe durch... Abstand weniger Leute zur gleichen Zeit.

00:26:23: Das ist super schwierig, das aufrecht zu halten.

00:26:25: Aber das habt ihr sicher in der T-Stube schon mitbekommen, dass die teilweise Schlangen vorne dran haben, wo Menschen warten, Zugang zu bekommen.

00:26:32: Und das ist eine riesengroße Herausforderung.

00:26:36: Also unterschiedlich im Bereich der Drohntenwohnungslosigkeit war erst mal Stagnation.

00:26:44: Weil durch die Aufkündigungsschutzdienst auf Bundesebene gab, waren die Leute erst mal bis zum XXVI geschützt, bei mir drückstimmten.

00:26:51: Was wir haben, ist eine Zunahme von Anträgen beim Wohngeld und auch eine Zunahme von Anträgen auf Sozialwohnungen.

00:26:58: Die wohl durch Kurzarbeit verursacht sind, wir kommen, da kamen ja nach in der Bearbeitung dieser Anträge, dieser Bereich war ich schon immer ein bisschen überlastet und jetzt ist es natürlich noch viel extremer geworden.

00:27:08: Gleichzeitig mussten wir uns in der Pandemie natürlich um vulnerable Gruppen auch kümmern, die in der Gemeinschaftsunterkunft vielleicht auch gefährdet sind.

00:27:18: Das heißt, wir haben da ein Hotel angemittelt, wo man dann eigentlich Familien oder gesundheitlich besonders gefährdete Menschen untergebracht haben, um sie dort auch zu schützen.

00:27:28: Und wir haben zur Zeit des Lockdowns für die Menschen, die den Übernachtungsschutz nutzen, ihnen die Möglichkeit gegeben, dort ganztägig zu bleiben, weil da gab es ja die Ausgangsbeschränkungen und die hätten da wirklich ein Problem bekommen.

00:27:41: Und dementsprechend muss man die dann auch versorgen.

00:27:43: Die haben dann zumindest am Anfang auch etwas zu essen

00:27:46: bekommen.

00:27:47: Welche Schritte kann man noch unternehmen, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden?

00:27:51: Also wir sind ein freiheitlich demokratisches Land.

00:27:56: Wir haben das Sozialstaatsprinzip und es gibt immer noch Menschen, die das hochhalten und wir haben eine ganz gute Gesetzgebung, um zum Beispiel Mietschulden auffangen zu können.

00:28:06: Um Mietschulden als Darlehen zum Beispiel.

00:28:09: SGB II vergeben zu können oder sogar im SGB XII teilweise Mietschulden ganz übernehmen zu können, ohne dass du was zurückzahlen musst, kommt ganz auf die individuellen Umstände drauf an.

00:28:19: Das heißt, es gibt die Möglichkeit Mietschulden in Griff zu kriegen.

00:28:23: Auch vollkommen unabhängig von Corona.

00:28:25: Und dann kommt es darauf an,

00:28:27: gibt es

00:28:28: bei dir vor Ort, im Landkreis oder in der Stadt, gibt es da eine Fachberatungsstelle, die sich nur... für dieses Thema widmet, um Menschen zu helfen, drohende Wohnungslosigkeit zu vermeiden.

00:28:39: Und wenn du auf meiner Homepage gehst www.wohnungslosenhilfe-bayern.de Ich habe gelogen, es ist gar nicht meine Homepage, sondern auch die meines nordbayerischen Kollegen.

00:28:49: Da findest du das Handbuch der Wohnungslosenhilfe und alle Einrichtungen, die es in ganz Bayern gibt.

00:28:54: Und da kannst du rausfinden, gibt es bei mir vor Ort speziell in meinem Landkreis oder in meiner Stadt eine spezielle Beratungsstelle.

00:29:01: Und wenn es die nicht geben sollte, was durchaus vorkommen kann, dann ist eigentlich die Sozialverwaltung der erste Ansprechpartner.

00:29:09: Das ist in einem Landkreis, das Landratsamt oder in einer kreisfreien Stadt, das Sozialamt schrägst sich die Sozialverwaltung.

00:29:16: Und die sind eigentlich dafür zuständig, alles dafür zu tun, Menschen zu helfen, damit Wohnungslosigkeit nicht eintritt.

00:29:26: Also die akute Situation ist jetzt, man weiß, man verliert die Wohnung.

00:29:30: aus irgendwelchen Gründen, Eigenbedarfskündigung, sonst irgendein Problem, das es gibt, dann gibt es die Fachstelle zur Vermeidung von

00:29:37: Wohnungslosigkeit.

00:29:39: Die sitzt in München, in allen Sozialbürgerhäusern gibt es die und die berät, vermittelt zur Mitberatung, wir haben eine städtische Mitberatung, unterstützt letztendlich.

00:29:49: und wenn es tatsächlich so weit kommt, dass die Wohnungslosigkeit nicht vermieden werden kann, weil man ... weil es über die Mitschulden, weil das irgendwie nicht zu klären ist oder weil eben der Eigenbedarf auf alle Fälle dann auch rechtlich korrekt ist und das Mitfelden ist beendet werden muss, dann gibt es auch Sozialarbeiter, die da nochmal unterstützen, zum Beispiel, wenn es tatsächlich zu einer Räumung kommt und

00:30:15: dann

00:30:15: für den Anschluss sorgt.

00:30:17: In München muss niemand praktisch dann auf der Straße schlafen, der das nicht will, sondern gerade, wenn er in München schon gewohnt hat, bekommt er von uns auch eine Unterkunft.

00:30:27: Wir haben im Video und jetzt im Podcast gesehen, dass Wohnungslosigkeit ein gesellschaftliches Problem ist, was sich mit der einzelnen Schicksalen der Menschen angemischtert.

00:30:37: Wie reagieren wir aber als Gesellschaft?

00:30:39: Wie werden Obdachlosen beispielsweise in der Öffentlichkeit behandelt?

00:30:43: Obdachloser war es noch nicht so schlimm, aber heutzutage werden ja die Leute aus dem Bahnhof rausgeschmissen.

00:30:48: Wenn man zum Beispiel in den Münchner Hauptbahnhof zum Beispiel anschaut, vor zwanzig, dreißig Jahren, da war viel mehr Fläche da, wo sich Reisen da aufhalten konnten.

00:30:56: Das einzelne Obdachlose ist nicht so aufgefallen, aber heute sind es ja alles so Konsumtempels.

00:31:02: Also wenn ein Obdachlose da reinwäger und hat kein Geld, dann wird er gleich wieder rausgeschmissen.

00:31:06: Oder wenn er irgendwann dann in die Umwelt mal wenn es kalt ist und will sich da nur ein bisschen aufwärmen.

00:31:13: wenn er dann nochmal kommt, kriegt er dann ein Hausverbot und dann ist er in dem Moment schon kriminalisiert, sagen wir es mal so.

00:31:19: Und das ist halt diese Verdrängung oder auch Platzverbote an bestimmten Plätzen, weil man ab und zu mal wieder da war, weil da vielleicht eine Bank ist oder da kann man sich hinsetzen oder so.

00:31:30: Und dann wird man in dem Moment da vertrieben.

00:31:33: oder einfach gesagt so, wenn sie dann heute kommen, da kriegt es der Platzverbot und dann ist es in dem Moment auch so Art Hausfriedensburg, wenn man sich da nochmal aufhält.

00:31:42: Was wünschen Sie noch unserer Interview-Partnerinnen?

00:31:44: Was können unsere Zuhörerinnen dafür machen?

00:31:47: Wir würden uns wünschen, ein großes Verständnis dafür in der Bevölkerung, bei allen Menschen am liebsten, dass eben die Wohnungslosigkeiten nicht nur das Ergebnis von individuellen Versagen ist, sondern dass es auch Gründe gibt, die in der Gesellschaft liegen.

00:32:02: Und da denke ich an den ganz klar... fehlenden, preiswerten Wohnraum an die große Wohnungsnot in unseren Städten, in unserem Land.

00:32:12: Also, was man immer machen kann, ist, man kann ehrenamtlich aktiv werden, zum Beispiel in der Bahnhofsmission, in den verschiedenen Angeboten, die es gibt für Obdachlose oder Wohnungslose.

00:32:24: Man kann natürlich was kann man machen, man kann Wohnungen bauen, aber das kann man als Einsteller eher schlecht.

00:32:29: Ich glaube, dass diese Aktivität, man kann in Kleiderkammern helfen und das die grundsätzliche Haltung, dass jemand, der wohnungslos ist oder obdachlos ist.

00:32:39: Ein genauso wertvoller Mensch ist, wie man selber ein wertvoller Mensch ist.

00:32:43: Das halte ich für wichtig.

00:32:44: Und das war's für diese Folge.

00:32:46: Ich bedanke mich ganz herzlich bei unseren Kooperationspartner der AGFB, insbesondere bei Alex, bei unserem wunderbaren Produktionsteam Rebecca und Felix, die diese Aufnahmen gemacht haben und natürlich bei allen Interviewpartnerinnen Frau Loa, Uwe, Herr Lochner, Herr Scheuermann und Herr Meier.

00:33:03: Wenn ihr weitere Podcast-Folgen von dieser Reihe hören möchtet, findet ihr einen Link in den Show-Notes sowie weiterführendes Material zu dem Thema, was in unseren Gesprächen zitiert wurde.

00:33:13: Und die abschließende Frage wie immer.

00:33:15: Was sind für euch weiteren Schieflagen?

00:33:18: Schreibt uns gerne mit euren Anregungen und Kommentare an infoatpetra-kelly-stiftung.de oder als Kommentar zu dieser Folge.

00:33:26: Die Musik ist von Kevin MacLeod.

00:33:28: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

00:33:30: Ciao!

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