Schieflagen 02: das Interview mit dem Jugendtreff „zur Goldenen Parkbank“
Shownotes
Das Video kann man unter folgendem Link sehen: youtu.be/krxAXUSQlLo Weitere Informationen zum Projekt Schieflagen: https://www.petrakellystiftung.de/de/2020/07/27/unser-videoprojekt-schieflagen
Zur Goldenen Parkbank: www.goldene-parkbank.de/ Jugendzentrum in Dachau: freiraum-dachau.de/ Jugendzentrum in Rosenheim: z-rosenheim.org/
Musik: Vibe Ace Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 3.0 License creativecommons.org/licenses/by/3.0/
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Transkript anzeigen
00:00:01: Untertitel im Auftrag des ZDF.
00:00:00: für funk.
00:00:00: im Auftrag des ZDF Hallo und herzlich willkommen zu der dritten Episode unseren Schifflagen-Podcast.
00:00:05: Das Podcastprojekt in Verbindung mit unserem gleich benannten Videoprojekt, wo wir die Themen des Videos noch mal tiefer betrachten und uns Zeit nehmen, mit den Interviewpartnern ihnen länger zu reden.
00:00:16: Schifflagen sind strukturellen Probleme, die schwer zu lösen und nicht nur durch einzelne Fälle zu betrachten sind, also alles, was in unserer Gesellschaft schiefgeht.
00:00:24: Im Video haben wir unterschiedliche Perspektiven betrachtet, über wie und welche Kumpflichte im öffentlichen vor allem, wenn Jugendliche und junge Wachsinnen involviert sind.
00:00:34: In diesem Episode reden wir mit zwei aktiven Mitgliedern des Autonomes Jugendzentrum in Niesbach zu Goldenen Parkbank.
00:00:41: In Helina und Julian werden wir mehr erfahren, wo genau den Unterschied liegt zwischen autonomen und traditionellen Jugendzentren und wie das Leben auf den Land für Jugendliche und junge Wachsinnen sichern füllt.
00:00:52: Viel Spaß
00:00:52: beim Hören und bis zum nächsten Mal.
00:01:00: Wir befinden uns jetzt in der Goddener Parkbank, ein alternatives Jugendzentrum in Miesbach, mit echt geiler Räumlichkeiten, wie ihr im Videoprojekt sehen wird.
00:01:09: Und ich bin jetzt mit Helena und Julian dabei.
00:01:12: Hallo.
00:01:13: Grüße euch.
00:01:14: Hallo.
00:01:15: Guten Abend.
00:01:15: Guten Abend.
00:01:17: Ja, erzähl mal einfach, wie diese Ort entstanden ist.
00:01:20: Also im Prinzip aus der Situation heraus, dass es damals, also vor acht Jahren, circa, hat sich dann eine Gruppe gebildet, die einfach einen Raum schaffen wollte, an den jugendlichen, junge Leute selbst was machen können.
00:01:32: Es gab halt hier so ein typisches Dorf.
00:01:35: Es gab so die altbekannten Kneippen, wo aber auch immer die gleichen Gesichter rumhängen.
00:01:39: Und es gibt auch noch so ein kleines Jugendzentrum mit Sozialpädagogen.
00:01:44: Aber das ist eben auch was anderes und auch eher was für jüngere Leute.
00:01:47: Ansonsten eben keinen Raum außer so diesen klassischen Dorf-Feten, die man jetzt nicht unbedingt haben will.
00:01:53: Streckt sich die
00:01:54: Standardkneippen.
00:01:56: Ja, genau.
00:01:56: Oder eben auch so diese sich-laustall-Partys und sowas.
00:01:59: Worauf man dann vielleicht nicht unbedingt Bock hat.
00:02:01: war die einzige Alternative, nach München zu fahren, aber das für die ganz jüngeren auch wieder blöd, die kommen dann noch irgendwo rein.
00:02:06: Einfach was, wo man selbst was machen kann, wo man den Raum hat, an den man gehen kann, wo man vielleicht auch mal selbst eine Party, ein Konzert, irgendwas organisieren kann, eine Info-Veranstaltung mit Sachen, die einen interessieren, wo eben auch Themen angeschnitten werden, die sonst auf dem Dorf eindeutig zu kurz kommen, die junge Leute irgendwie interessieren.
00:02:23: Und ...
00:02:23: So zum Beispiel, welche Themen?
00:02:25: Wir hatten auf jeden Fall einige Veranstaltungen zu rechten.
00:02:29: Tatsächlich gab's, als wir angefangen haben, diese Gruppe, die so einen Raum schaffen wollte, gab's auch noch eine Kameradschaft in Miesbach.
00:02:36: Krass.
00:02:37: Und tatsächlich haben wir uns damit am Anfang hauptsächlich beschäftigt.
00:02:40: Weil das auch noch sehr utopisch war, dass wir zu einem Raum bekommen.
00:02:42: Wir waren immer wieder in Kontakt mit der Stadt, aber die haben das nicht so richtig eingesehen.
00:02:46: Damals haben wir uns hauptsächlich damit beschäftigt, wie wir da Veranstaltungen dagegen machen können, Protestaktionen und so.
00:02:52: Ich
00:02:53: finde auch zusammenfassende Alternative-Politik zu CSU.
00:02:59: Falls man das jetzt hier nennen darf.
00:03:01: Gut, das sind natürlich keine Parteipolitik, was machen wir hier nicht.
00:03:05: Aber halt überhaupt Alternative-Politik, die jetzt nicht unbedingt...
00:03:09: Zudem das Bedroom gehört.
00:03:10: ...auf dem
00:03:10: Dorf so hinter der, der steht oder so was.
00:03:15: Okay.
00:03:16: Dann kommt auch daher, also Kulturhaus der Goldenen Parkbank, weil halt... Früher einfach tatsächlich sehr viele Leute, auch die man selbst so kannte und man selbst auch immer draußen auf Parkbänken rumgehangen ist.
00:03:27: Weil man eben nicht in die Standardkneipe gehen wollte.
00:03:29: Weil das sind auch unangenehme Leute, kuschmusik und so weiter.
00:03:32: Und halt auch immer teuer.
00:03:33: Deswegen sollte hier auf jeden Fall auch ein Raum sein, wo kein Konsumzwang herrscht.
00:03:36: Also, wo man auch hingehen kann, ohne was zu trinken.
00:03:38: Die Preise sollten auf jeden Fall immer billig sein.
00:03:40: Und auch jetzt noch.
00:03:42: Sowohl die Getränkepreise als auch Eintrittspreise für Partys.
00:03:45: Genau, dass einfach jeder reinkommen kann.
00:03:48: Auch das Geld ermöglicht.
00:03:49: wenig eine Rolle spielt.
00:03:50: Ja, ich finde, das ist auch ein sehr interessantes Aspekt, diese Konsumzwange.
00:03:54: Weil auch im Video werden vielleicht auch sehen, dass die meisten Orte, wo man ansonsten trifft, wenn kein Jugendzentrum gibt, sind so den Mac Donald oder keine Ahnung, was in der Richtung.
00:04:05: Genau.
00:04:08: Ja.
00:04:09: Oder wo Wiedland gibt, das ist auch eine Möglichkeit.
00:04:13: Und ja, also Jugendliche, die noch keine Arbeit haben, haben auch kein Geld oder sind total von den Eltern abhängig.
00:04:20: Und das ist auch ja sehr interessant.
00:04:22: Und ich kann mich gut vorstellen, dass wir alle mal am Anfang, aber vielleicht noch jetzig, ihr gegen einige Vorurteile kämpft im Dorf.
00:04:30: Möchtet ihr noch so was Drupal sagen?
00:04:33: Also ich finde, ja.
00:04:35: Also, ist eigentlich eine ganz interessante Frage, weil wir uns das, da machen wir uns selber immer wieder drüber lustig, wenn es sich im Sommer da irgendwie hier direkt davor auf eine Bank setzt und nach der Arbeit ein Bier trinkst oder sowas, dann gehen da irgendwelche älteren Herrschaften vorbei und dann grüßt man die zum Beispiel, ist jetzt nicht unbedingt so ein, okay, mich muss jetzt nicht unbedingt jeder grüßen, an sich ist mir das echt egal, aber die gucken einen da meistens schon so voll verängstig irgendwie an, beziehungsweise gucken einen gar nicht an, registrieren ist irgendwie gar nicht.
00:05:05: dann, ob es jetzt irgendwie bei der Stadt ist, bei Leuten, die damals in der Stadt gearbeitet haben, mit denen man dann jetzt irgendwie wieder was zu tun hat, die kennen halt, die wissen dann halt irgendwie, okay, gut, da gab es damals mega Stress, damit das hier überhaupt entstehen kann.
00:05:21: war für die Stadt damals ein bisschen ein Aufwand oder ein ganz schöner Aufwand irgendwie und diesen Themen auch noch ein bisschen so eingestellt, dass es jetzt nicht unbedingt so cool finden, dass sich der Jugendliche immer noch so viel rausnehmen.
00:05:33: Ja.
00:05:33: Und sich nehmen wir uns ja nicht viel raus.
00:05:35: Aber was fahren damals?
00:05:36: die Gegenargumente, warum man euch nicht diesen Ort gehen sollte?
00:05:41: Also so wirklich offen ... Kommuniziert gab's dann nicht so viel, aber ich denke ...
00:05:46: Schaffen die eh nicht.
00:05:48: Genau, die schaffen sie eh nicht.
00:05:49: Und auch so die politische Richtung hier ist natürlich schon auch klar.
00:05:52: Hatten sie wahrscheinlich wenig Lust, sich quasi die Troublemakers irgendwie den Ort zu geben, quasi.
00:05:59: Ja, genau.
00:05:59: Ich glaub, das war die Hauptangst, dass es da einfach so ein Leute gibt, die unangenehm werden könnten, denke ich.
00:06:06: Okay.
00:06:06: Und welche andere Herausforderungen habt ihr so alltäglich, wenn es gibt?
00:06:13: Also, ob es jetzt mit der Stadt ist, das ist eigentlich jedes Jahr immer wieder so ein bisschen was, weil halt das Gebäude ist mega alt.
00:06:20: Das ist jetzt was, wie alt ist das?
00:06:22: Vierhundert Jahre alt oder sowas?
00:06:24: Das
00:06:24: ist so eine alte Brauerei-Killer.
00:06:26: Wirkeller-Lager.
00:06:27: Wirkeller-Lager.
00:06:29: Ob es jetzt irgendwie, da reicht allein die Streiterei mit der Stadt.
00:06:32: Ich weiß jetzt gar nicht, was man da als zu sagen darf.
00:06:35: Also, letzten Endes ist es Papierkram, also viel Bürokratie.
00:06:39: Überall in Deutschland so.
00:06:41: Deutsche Bürokratie, Landratsamt, dann ... va.
00:06:46: Es ist generell so, dass wir relativ weit hinten anstehen von der Priorität her, wenn wir irgendwas brauchen.
00:06:52: Die Räume gehören ja da statt.
00:06:54: Dann haben wir hier relativ Probleme mit der Feuchtigkeit durch den alten Keller.
00:06:59: Zum Teil bei Veranstaltungen müssen wir sehr arg darauf achten auf die Nachbarn, die drüber wohnen.
00:07:04: Also ist auch selbstverständlich, dass man darauf achtet.
00:07:07: Aber da ist, also gerade was Konzerte angibt, kann man dann nicht so lange machen, weil die sonst da wirklich extrem belastet sind.
00:07:13: Und ansonsten eben, dass das Konzept der Selbstverwaltung ist natürlich immer so ein bisschen herausfordernd, einfach, weil ... dass für uns alle nicht unsere Haupttätigkeit ist.
00:07:22: Wir sind Studierende oder arbeiten oder gehen zur Schule.
00:07:26: Und machen das nur nebenher und unbezahlt, also alles ehrenamtlich.
00:07:29: Und es kostet schon viel Energie, alles auszudiskutieren, immer zu schauen, was passt für wen, was machen wir wie.
00:07:37: Und genau diese ganzen Verwaltungssachen auch.
00:07:40: So eine Party ist leichter organisiert, aber das Ganze, was im Hintergrund steht, das wollen weniger Leute machen.
00:07:47: Ja.
00:07:47: Klar, ist normal.
00:07:48: Aber das ist vielleicht eine gute Überleitung, um genau zu erzählen, was hier genau gemacht wird, welche Leute hängen hier.
00:07:56: Und vor allem, es würde mich interessieren, weil es sind denn die Hauptunterschieden zwischen einem ... so zwischen ... für uns zeigt ein normales Jugendzentrum.
00:08:04: Und ein Jugendzentrum wie hier, ein Antronomis.
00:08:07: Also an sich, Gäste haben wir eigentlich ... Beziehungsweise, was heißt Gäste?
00:08:13: Letzendens, unsere Besucher sind ... Ab sechzehn bis, also die größte Altersklasse ist eigentlich ab sechzehn bis, keine Ahnung, vierundzwanzig oder sowas.
00:08:21: Und dann sind aber auch, ist auch noch ein Teil dabei, die jetzt irgendwie bis dreißig oder noch älter.
00:08:26: Also teilweise haben wir auch Konzerte, die halt von noch älteren Herrschaften besucht
00:08:31: werden.
00:08:31: Ich fühle mich gerade jetzt sehr alt.
00:08:33: Nein, also jetzt mit älteren Herrschaften meine ich jetzt ab sechzig.
00:08:37: Also ich meine, da schätze ich dich jetzt noch mehr an.
00:08:41: Nee, da haben wir auch... Das
00:08:43: ist auch eher der Durchschnitt von den Leuten, die gerade zurzeit da sind.
00:08:46: Vor allem weil wir zurzeit auch mehr Partys haben, also mehr Techno-Partys sind dann einfach die Jüngeren dann.
00:08:51: Wir haben auch manchmal Veranstaltungen, wie zum Beispiel unsere größte Veranstaltung ist Coming Home, um Weihnachten rum, wo im Prinzip alle Leute kommen, die früher auch nicht viel hier waren, die weggezogen sind, zum Studieren oder sonst was.
00:09:03: Und die dann eben alle nochmal da sind.
00:09:05: Und da kommen wir auch oft an unser Limit.
00:09:07: Also, dreihundert Leute dürfen hier maximal rein.
00:09:09: Genau, also da ist wirklich... und da sind definitiv auch alle Altersgruppen da.
00:09:14: Okay,
00:09:15: voll krass, geil.
00:09:16: Aber ja, so ein normales Jugendzentrum, wie ich das bisher in der Recherche für dieses Video erlebt habe, es gibt Räumlichkeiten, es gibt pädagogische Fachkräfte, die das öffnen und schließen und betreuen.
00:09:29: Es gibt Regeln, so wie keine Ahnung, keine Drogen, kein Alkohol, kein Gewalt.
00:09:34: Wie ist es hier, welche Regel gibt es, ob es gibt?
00:09:39: Der größte Unterschied ist, dass es keine pädagogischen Fachkräfte gibt, sondern dass wir das alles selbst machen.
00:09:44: Dass wir im Plenum immer entscheiden, was wir machen, wie wir es machen usw.
00:09:50: Was die Regeln angeht, gibt es auch deutlich weniger.
00:09:54: Was uns auf jeden Fall ... Ich denke, es ist auch mehr, was im Einzelfall einfach entschieden wird von der Gruppe.
00:10:00: Was ganz klar ist, ist, dass wir hier keine Diskriminierung wollen.
00:10:04: Wir wollen keinen Sexismus, kein Ressismus.
00:10:06: Da sind wir uns alle einig.
00:10:08: Und wird auch im Einzelfall dann eben entschieden, wie damit umgegangen wird, auch mit den betroffenen Personen.
00:10:13: Und im Zweifelsfall werden dann Leute eben rausgeschmissen.
00:10:16: Das
00:10:16: ist, denke ich, die wichtigste Regel.
00:10:19: Und wie werden dann diese Entscheidungen getroffen oder allgemeine Entscheidungen getroffen?
00:10:23: Also wir haben einmal im Monat einen Plenum und früher haben wir tatsächlich Konsensentscheidungen gemacht, was zum Teil superaufwendig war.
00:10:32: Wenn richtig viele Leute da waren, dann wirklich über jeden einzelnen Punkt so lang zu sprechen, wird es alle sagen, okay, jetzt passt es für mich.
00:10:39: Haben das dann irgendwann, es waren tatsächlich eine schwierige Entscheidung, wir haben lange damit gekämpft, aber es hat sich hier auch die Leute, die regelmäßig da sind und beim Plenum sind, die haben sich geändert.
00:10:47: Weil viele Leute weggezogen sind, gerade eben zum Studieren und so, ist halt auf dem Dorf, glaub ich, das klassische Problem.
00:10:54: Und haben dann irgendwann festgestellt, dass von der alten Gruppe, die am Anfang für die das Konsensprinzip sehr wichtig war, gar nicht mehr viele da sind.
00:11:01: Und dass gerade bei den Jüngeren da eigentlich ziemlich viel Unverständnis kam, die dann eher ungeduldig waren, jetzt lass uns doch abstimmen.
00:11:08: Und haben dann irgendwann festgestellt, dass jetzt vielleicht der Konsens tatsächlich ist, dass wir keinen Konsens mehr machen.
00:11:13: Es wird immer noch, denke ich, viel im Konsens entschieden von selbst, weil es uns wichtig ist, dass alle irgendwie mit Entscheidungen einverstanden sind, aber im Zweifelsfall, wenn es hart auf hart kommt, machen.
00:11:23: Da machen wir einfach eine Abstimmung.
00:11:25: Okay.
00:11:26: Das ist ein bisschen europäisch unionmäßig.
00:11:28: Bin ich ganz nett.
00:11:31: Ja, Konsensentscheidungen sind sehr viedrig zu treffen.
00:11:34: Kennt ihr anderen autonomes Jugendtreffen oder habt ihr damals so Inspirationen irgendwo geholt?
00:11:42: Ja, wir waren tatsächlich oder Leute von uns.
00:11:45: selber nicht damals, aber wir sind immer wieder nach Dachau gefahren, in das Jugendzentrum, um sich da irgendwie ... genau, Inspiration zu holen, zu sagen, wie macht ihr das?
00:11:53: Klar, am Anfang, wo man noch gar nicht weiß, wie wollen wir die Sachen anpacken, auf was müssen wir achten?
00:11:58: Genau, da haben wir da immer
00:11:59: nachgefahren.
00:11:59: Wie alt war's so am Anfang?
00:12:01: Also ganz am Anfang war ich fünfzehn.
00:12:04: Okay.
00:12:04: Aber da hat's dann noch ein paar Jahre gedauert, bis es diesen Raum hier tatsächlich gab.
00:12:09: Krass.
00:12:09: Und kennt ihr ansonsten anderen autonomes Jugendzentrum dagegen?
00:12:14: Kennen nicht.
00:12:15: Es gibt in Rosenheim gibt es eins.
00:12:17: Es gibt München.
00:12:20: Naja, das ist eigentlich kein Jugendzentrum.
00:12:24: Aber sonst eigentlich ja, Rosenheim wüsste ich jetzt.
00:12:28: Sonst würde mir da auch kein autonomes Einfallen.
00:12:31: Glaube also.
00:12:33: Da kann ich jetzt nicht so viel dazu sagen.
00:12:34: Aber damals, wir hatten bei dieser Projektausschreibung gewonnen, dadurch kam das hier alles erst zustande, Jugendbelebt-Lehrstand.
00:12:40: Da gab's auch einmal im Jahr so ein deutschlandweites Treffen, wo Leute hingefahren sind und sich auch beraten haben.
00:12:46: Aber da war ich selbst nie dabei, deswegen kann ich das nicht so viel sagen.
00:12:49: Okay.
00:12:49: Aber ich finde, das ist schon spannend, weil die meisten Leute haben eben diese Erfahrung mit den normalen Jugendzentrumstrukturen.
00:12:58: Und dann kann ich gut vorstellen, dass viele euch so ... Fragen stellen, äh, wie geht's denn?
00:13:04: Wie kann das möglich sein?
00:13:05: Weil, ähm, ich finde das so spannend, ähm, an sich so auch wie ihr strahlte und auch eure Erfahrungen, weil was hat auch mit euch gemacht und auch wie die Räumlichkeiten aussehen.
00:13:15: Es ist echt cool und ich würde mich auch wünschen, dass es mehr gäbe, weil auch diese, vielleicht ist es interessant, auch noch euch zu fragen, was hat für euch diese Erfahrung bedeutet?
00:13:26: Im Sinne von denkt ihr, ihr habt dadurch so ein bisschen Demokratie.
00:13:30: wie gelernt oder erlebt, wie war es für euch als, sagen wir mal, die Verbindung zwischen dieser Erfahrung hier in dem Jugendzentrum und wie ihr als Bürgerinnen benimmt oder sowas?
00:13:43: Also ich finde tatsächlich, wann war ich das erste Mal hier?
00:13:46: Ich war das erste Mal hier als Gast mit Zechzen oder so.
00:13:50: Damals eigentlich hauptsächlich, weil das Bier so günstig war.
00:13:55: Ist
00:13:55: kein Witz, dann irgendwann bin ich da auch so irgendwie mit rein gerutscht, ich weiß gar nicht mehr, wie alt ich da war.
00:14:01: Und dann habe ich das das erste mal bei diesen Plenars dann halt irgendwie so erlebt, wie das hier so funktioniert und fand es so eigentlich auch immer am besten, einfach weil halt jeder kann einen Senf dazu abgeben und dann wird halt für alle irgendwie eine Lösung gesucht, die halt allen passt oder halt eben nicht.
00:14:18: und das hat mich schon irgendwie so... irgendwo schon so ein bisschen geprägt.
00:14:22: Andererseits finde ich jetzt also gerade das mit den Abstimmungen, weil der jetzt danach spezifisch gefragt hat.
00:14:28: Aber ich finde jetzt so an sich, hat es mir auch irgendwie so gezeigt, dass wenn du halt irgendwas machen willst, hört sich jetzt nach so einem cheesigen Spruch an, aber wenn du halt wirklich irgendwas machen willst, dann musst du es halt einfach anpacken.
00:14:40: Das funktioniert hier, funktioniert es auch so.
00:14:43: Wenn du was an der ganzen Sache wirklich ändern möchtest, dann musst du es halt selber machen letzten, denn sonst bewegt sich da halt nichts.
00:14:50: Und das hat mir schon irgendwie so auch persönlich so weitergeholfen.
00:14:55: Okay.
00:14:55: Und bei dir?
00:14:56: Für mich war es auch total wichtig und total prägend.
00:14:59: Ich bin da auch relativ jung dazu und war erst mal so.
00:15:02: Keine Ahnung, total vom Hocker von den Möglichkeiten und auch... mit den Sachen, mit denen sich die Leute beschäftigt haben.
00:15:07: Das war eine bestehende Gruppe, zu der ich dazugekommen bin.
00:15:10: Das waren interessante Menschen, die über Sachen geredet haben, die mich immer sehr interessiert haben, zu denen ich bis dahin keinen Zugang hatte.
00:15:19: Und auch zu sehen, was man alles machen kann, wenn man sich gemeinsam organisiert.
00:15:25: Und dann das Erlebnis, dass wir diesen Raum bekommen haben, dass wir ihn gemeinsam umgebaut haben.
00:15:30: Dass das, was wir uns vorgestellt haben, tatsächlich dann so Wirklichkeit geworden ist.
00:15:35: Ja, genau, sich hier halt so ein bisschen ausprobieren zu können, wirklich einen Raum zu haben, in dem man sich wohlfühlt, mit Leuten, mit denen man sich wohlfühlt, wo man nicht, ja, weiß nicht, sonst am Dorf öfter mal schwierig würde ich sagen.
00:15:46: Ja,
00:15:46: ja.
00:15:47: Genau, war auf jeden Fall eine wahnsinnig tolle Erfahrung.
00:15:51: Vielleicht abschließend zwei letzte Fragen.
00:15:53: Einerseits würde mich interessieren, was sind denn die Unterschiede zwischen Stadt und Land?
00:15:58: Im Sinne von ihr seid denn jetzt hier geblieben?
00:16:03: Einigermaßen?
00:16:04: Oder nicht, ihr wohnt anders?
00:16:07: Okay, gut.
00:16:09: Oder gibt es Leute, die auch dank dieses Zentrum vielleicht überlegt haben?
00:16:13: Ich kann vielleicht hier bleiben, weil es irgendwas losgeht.
00:16:17: Beziehungsweise, also meine erste Eindruck hier war, hoa.
00:16:20: So ein Ort würde München brauchen.
00:16:25: Ja?
00:16:26: Nicht nur wegen billiges Bier.
00:16:29: Nee, wirklich gut aufgefasst.
00:16:32: Ja, aber das wäre auch unmöglich, wegen Raummangel und auch wegen viele Strukturen, die sich ... also ... Ihr seid auch die Einzige hier.
00:16:42: Und man kommt vielleicht einfacher rein, auch mit den Institutionen ins Gespräch.
00:16:47: Kann mich gut verstehen, weil vielleicht ... Kein
00:16:48: Konkurrenz.
00:16:49: Ja,
00:16:49: kein Konkurrenz.
00:16:50: Naja, das ist so vom Dorf.
00:16:52: Vielleicht der Bürgermeister oder den Stadträten ist die Mutter von deinem Kumpel und dann ... Also, Grunde ...
00:16:58: Kann's leichter machen, kann's auch schwieriger machen, wenn man diese Connections eben gemacht hat.
00:17:02: Klar.
00:17:03: Also, für mich tatsächlich ... würde es nicht reichen, als Grund zu bleiben.
00:17:07: Ich war auch zwischenzeitlich paar Jahre weg zum Studieren, bin nur kurzfristig wieder da.
00:17:11: Das macht schon besser.
00:17:13: Ich glaub, ohne diesen Raum wär ich wahrscheinlich gar nicht wiedergekommen, auch nicht kurzfristig.
00:17:17: Ich weiß nicht, ob's das wirklich leisten kann, alles aufzufangen, weil das ist doch auch nur ein Raum und wir haben auch nicht immer offen so.
00:17:23: Aber was es, denke ich, auf jeden Fall leisten kann, ist irgendwie jungen Leuten, die hier zwangsweise sind, weil ihre Eltern hier wohnen, denen ihre Jugend irgendwie ein bisschen cooler zu machen.
00:17:33: Zu versüßen,
00:17:34: ja.
00:17:34: In Möglichkeiten
00:17:36: zu geben.
00:17:37: Das auf jeden Fall.
00:17:39: Das bemerkt man, finde ich, auch so an sich.
00:17:41: Das Ganze wurde ja über einen Verein gegründet.
00:17:43: Und der Verein hat insgesamt, hat der, achtzig oder neunzig Mitglieder, ich glaub, aber an die achtzig hat er jetzt, glaub ich, insgesamt.
00:17:50: Und dadurch, dass es halt alles irgendwie, sind halt Jugendliche, die halt noch irgendwas vorhaben, was sie dann vorhaben, haben die meisten eh keine Ahnung.
00:17:57: Aber wenn sie dann halt irgendwas machen, dann ist es halt oftmals, die gehen studieren, machen eine Ausbildung.
00:18:02: Und per Name gut sein, dass halt die Studium oder die Ausbildung halt irgendwie in Hamburg ist oder sowas.
00:18:08: Und dafür dann halt irgendwie die Studium aufzugeben.
00:18:11: wüsste ich jetzt auch nicht ganz genau, ob mich das jetzt dann der Raum eben aufhalten würde.
00:18:17: Einfach, weil es dann halt auch irgendwo so ein bisschen um seine eigene Zukunft geht.
00:18:20: Natürlich hofft man dann, dass man halt in Anführungsstrichen genug Nachwuchs hat, die dann den Keller oder hier unsere Räumlichkeiten hier irgendwie in gutem Gewissen weiter betreiben, was ja auch bisher, glaube ich, ganz gut so funktioniert hat, hoffe ich mal zumindest.
00:18:38: Von dem her, ja, finde ich, dass es auch... eigentlich da ist für die Jugend halt, dass die den Spaß hier haben können.
00:18:45: Also die Leute wechseln auf jeden Fall auch krass.
00:18:47: Wie gesagt, das sind eigentlich von früher.
00:18:48: Gute paar Leute haben es quasi nur bis nach München geschafft.
00:18:52: Und von denen sieht man schon immer wieder Leute auch mal noch hier.
00:18:56: Aber man schon merkt, die hängen auch noch dran.
00:18:58: Die sind auch noch gerne ab und zu hier und so.
00:19:00: Und wie gesagt, um Weihnachten rum die Weihnachtsferien eh total.
00:19:04: Also ich denke ... Die Verbindung und den Bezug zu dem Raum haben die meisten Leute von damals auf jeden Fall noch voll.
00:19:09: Aber ich denke, es ist auch normal, dass so dieses Stammpublikum natürlich wechselt über die Zeit und zwar eigentlich wirklich fast komplett.
00:19:16: Ja, klar.
00:19:17: Also jetzt in den letzten zwei Jahren kann man es jetzt schon echt, also so, was mir jetzt damals, ich bin jetzt ein zwanzig, sprich, vor jetzt vier oder fünf Jahren oder sowas, bin ich dann irgendwann mal dazugekommen und da habe ich dann, da waren wir noch.
00:19:32: Das finde ich immer wieder witzig, wenn man sich mit der älteren Generation so unterhält.
00:19:37: Wie die dann so sagen, ihr wart damals noch voll klein, jetzt steh ich da mit einen zwanzig, denkt mir so, okay, jetzt auf einmal kennste gar keinen mehr, weil halt lauter, sechzehn, siebzehn, achzehnjährige jetzt auf einmal dabei sind, mit denen man halt nicht in die Schule gegangen ist, die nicht im selben Jahrgang mit dabei waren oder sonst irgendwas.
00:19:54: Die rutschen jetzt halt alle nach und das ist eigentlich schon ganz cool, dann anzusehen, dass es doch ziemlich gut ankommt.
00:20:02: Cool, ja, dann abschließen vielleicht so die berühmte letzte Worte.
00:20:06: Was wäre euch wichtig, dass die Leute, die diesen Podcast hören, jetzt wissen über?
00:20:12: Was die Goldene Parkbank für euch bedeutet?
00:20:15: Oder was ein autonomes Jugendzentrum ist?
00:20:17: Also was liegt euch am Erzen?
00:20:19: Im Endeffekt war halt ihr bereit, mit uns zu
00:20:22: sprechen.
00:20:24: Also ich denke, was immer wichtig ist, noch mal sich mit diesem Konzept der Selbstverwaltung vor Augen zu führen, einfach noch mal zu sehen.
00:20:31: Wie gesagt, das sind wirklich alles ehrenamtliche hier, die das machen, weil es ihnen wichtig ist, die hier irgendwie was umsetzen wollen.
00:20:37: Und deswegen ist es halt auch manchmal irgendwie einfach chaotisch.
00:20:42: Ja, manchmal.
00:20:44: Ganz bisschen.
00:20:45: Weil eben auch nicht ganz geklärt, dass die Verantwortlichkeiten oder weil mal irgendwas vergessen wird oder weil die Mails nicht geben.
00:20:51: Weil Jugendliche.
00:20:54: Ja, nee, das nicht unbedingt.
00:20:55: Aber halt einfach, weil man alles selbst machen muss und alles auf dem Schirm haben muss.
00:21:00: Und das ist schon viel.
00:21:01: Genau.
00:21:02: Und das vielleicht irgendwie auch so.
00:21:03: Dass es anerkannt wird, was das für ein Act ist eigentlich.
00:21:07: Ich finde es auch ganz wichtig, dass man wirklich weiß, was ich auch, als ich hier das erste Mal reingeladet bin.
00:21:13: Wie du ja schon gesagt hast, also so kann man halt weiß, um was es hier eigentlich geht, wie funktioniert das Ganze, was steht da eigentlich dahinter.
00:21:21: Aber halt auch diesen Aspekt, dass sich jeder willkommen fühlen soll.
00:21:25: Und dass es da auch überhaupt keine Ausgrenzung geben sollte, egal... Was?
00:21:31: Außer Nazis.
00:21:33: Letzten Endes.
00:21:34: Und dass das eigentlich ein Raum ist für Leute, die irgendwo anders denken, finde ich zumindest.
00:21:41: Für all diejenigen, die sich in der normalen Dorfkultur vielleicht nicht so wohlfühlen.
00:21:44: Auf dem Dorf anders denken.
00:21:46: Das ist wirklich nicht schwer, das geht schnell.
00:21:49: Genau, einen Raum einfach in dem verschiedenste Leute die Möglichkeit haben irgendwie einen Platz für sich zu finden.
00:21:55: Okay, cool.
00:21:56: Vielen Dank euch.
00:21:58: Vielen Dank euch.
00:21:59: Ciao.
00:22:00: Und das war's für diese Folge.
00:22:01: Danke noch mal an Helena und Julian für dieses tolles Gespräch.
00:22:05: Für dieses schieflangen Thema gibt es noch zwei weitere Podcasts, die ihr in dem Podcast-App Eurowahl hören könntet.
00:22:11: Weitere Informationen über die Goldene Parkbank und anderen autonomen Jugendzentren Bayerns findet ihr in den Show notes.
00:22:18: Schieflangen ist ein gemeinsames Projekt der Petra Kelly Stiftung und der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik.
00:22:23: Und ihr könnt alle Episoden auf dem YouTube-Kanal der Petra Kelly Stiftung sehen.
00:22:28: Die Musik ist von Kevin McLaren, Ich bin Carmen Romano und sage tschüss und bis zum nächsten Mal!
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