Schieflagen 02: das Interview mit dem Mädchentreff* Blumenau
Shownotes
Das Video kann man unter folgendem Link sehen: youtu.be/krxAXUSQlLo Weitere Infos zum Projekt Schieflagen: https://www.petrakellystiftung.de/de/2020/07/27/unser-videoprojekt-schieflagen
Mädchentreff in der Blumenau: t1p.de/y7gi www.fachforum-maedchenarbeit.de/home/ Heroes: t1p.de/ydwe www.imma.de/
Musik: Vibe Ace Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 3.0 License creativecommons.org/licenses/by/3.0/
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Transkript anzeigen
00:00:02: Untertitel im Auftrag des ZDF.
00:00:02: Hallo und herzlich willkommen zu der zweiten Episode unseren Schifflagen-Podcast.
00:00:07: Das Podcast-Projekt in Verbindung mit unserem gleich benannten Videoprojekt, wo wir die Themen des Videos noch mal tiefer betrachten und uns Zeit nehmen, mit den Interviewpartnerinnen länger zu reden.
00:00:18: Schifflagen sind strukturellen Probleme, die schwer zu lösen und nicht nur durch einzelne Fälle zu betrachten sind, also alles, was in unserer Gesellschaft schiefgeht.
00:00:26: Im Video haben wir unterschiedliche Perspektiven betrachtet, über wie und welche Konflikte im öffentlichen Raum entstehen, vor allem wenn Jugendliche und junge Erwachsene involviert sind.
00:00:36: In diesem Episode reden wir mit der zwei pädagogischen Kräfte, der das Mädchentreff in der Blumenau, Sandra und Lisa, über wie das Mädchentreff entstanden ist und warum den öffentlichen Raum normalerweise eher ein männlicher Raum ist.
00:00:48: Viel Spaß beim Hören und bis zum nächsten
00:00:50: Mal!
00:01:00: Also, man muss dazu sagen, dass wir momentan noch eine Außenstelle sind vom Treff einundzwanzig, das ist das Jugendzentrum, was hier zehn Minuten zu Fuß entfernt ist.
00:01:07: Und da gab es eine Mitarbeiterin, die sich schon immer viel auch so mit dem Sozialraum und Mädchen im öffentlichen Raum beschäftigt hat.
00:01:14: Und die hat dann zusammen mit der FH in Pasing eine Studie rausgebracht, die hieß, Mädchen und junge Frauen im Umgang mit Widersprüchen.
00:01:20: Das war zwölf.
00:01:22: Und damit hat das sozusagen angefangen, dass man sich angeschaltet, okay, wie bewegen sich Mädchen im öffentlichen Raum?
00:01:27: Und genau, durch diese Studie wurden recht alarmierende Verhältnisse aufgedeckt, vor allem der Rückzug von Mädchen aus dem öffentlichen Raum, dass der öffentliche Raum männlich dominiert ist.
00:01:36: Viele Mädchen haben von Ausgrenzung, von Gewaltverhältnissen berichtet und einfach so festgestellt, dass es wenig Räume im öffentlichen Raum gibt, wo sie sich wohlfühlen, wo sie sich sicher fühlen, wo sie einen Austausch finden, den sie brauchen.
00:01:46: Genau, durch den Nachbereitungstreffen und die Intensivierung zu diesem Thema wurde einfach deutlich, dass ein Mädchentreff ein tolles Projekt wäre.
00:01:53: Und das ist schön, wenn es in der Blumenau einen Treffpunkt geben würde, nur für Mädchen.
00:01:57: Das hat sich dann aber sehr, sehr lange gezogen.
00:01:59: mit Treffen mit dem Jugendamt und bis der Kinder- und Jugendhilfenausschuss, dem zugestimmt hat.
00:02:03: Es war eine sehr lange Periode und ein sehr langer Kampf, bis das dann auch wirklich bewilligt wurde.
00:02:09: In den Jahren den ersten Treffen im Jugendamt wirklich stattfanden.
00:02:12: Und in den letzten Jahren hat der Mädchentreff dann wirklich eröffnet, weil da noch ganz lange Phasen mit der Lokalbaukommission war, dass dieser Raum auch ein öffentlicher Raum werden durfte.
00:02:21: Es hat sich über ein Jahr lang gezogen.
00:02:23: Und genau, in den vergangenen Jahren hat der Raum dann hier aufgemacht mit einer Pädagogin, auch nur mit einer Dreißigstunden-Stelle.
00:02:28: Und jetzt sind wir ab dem nächsten Jahr ein autonomes Projekt, nicht mehr
00:02:32: Teil vom Treff einundzwanzig und haben zwei
00:02:35: Vollzeitstellen ab dem Jahr in der Regelfinanzierung.
00:02:37: Also auch die letzten Jahre waren immer noch bestimmt von einem Kampf, eine gute personelle Ausstattung und genau.
00:02:44: Genau.
00:02:44: Also ganz konkret, wie öffig ist das Mädchentreff geöffnet?
00:02:49: Also, wir sind eure Öffnungzeit und nur auch für die Zuhörenden zu schätzen, wie viel Arbeit tatsächlich dahinter steckte.
00:02:56: Also, wir haben geöffnet von Mittwoch bis Freitag, jeweils von vierzehn bis achtzehn Uhr.
00:03:01: Am Freitag
00:03:02: haben wir alle zwei Wochen eine Abendöffnung, die für ältere Mädchen ist, die dann meistens bis neun oder so geht.
00:03:07: Und an den Wochenenden haben wir alle zwei Wochen geöffnet, machen hier Filmen nachmittage oder machen Ausflügel.
00:03:13: mit den Mädchen.
00:03:14: Und das ist aber sozusagen nur ein Teil unserer Arbeit, weil wir eben nicht nur in der praktischen Arbeit mit Mädchen sind, sondern auch ganz viel in der politischen Vernetzungsarbeit sind.
00:03:21: Und in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen sitzen.
00:03:24: Und das ist natürlich irgendwie auch viel Zeit.
00:03:26: Genau, aber das sind unsere Öffnungszeiten.
00:03:28: Und am Dienstag ist drüben im Treff einundzwanzig der Mädchentag.
00:03:31: Und unser Ziel ist schon auch eine Vernetzung von diesen beiden Institutionen.
00:03:35: Und den unterstützen wir auch.
00:03:36: Da machen gemeinsame Fahrten, haben wir ja den Fahrten jetzt zusammen im Treff einundzwanzig auch gemacht.
00:03:40: Oder mal ein Mädchen fest oder?
00:03:43: und um uns sozusagen nicht die, dass wir nicht in Konkurrenz treten, was ja irgendwie blöd wäre, wir sind im gleichen Stadtteil und sollen ja für die Mädchen eine Angebotsstruktur sein, haben wir eben am Dienstag nicht zusätzlich auf.
00:03:54: Sondern gibt es sozusagen den Mädchentag und viele Mädchen, die während dem offenen Betrieb eben nicht rüber dürfen wegen bestimmten Gründen oder wo es die Eltern eben nicht erlauben oder die Erziehungsberechtigten können dann aber also dürfen am Mädchentag rein, weil da dürfen nur Mädels rein und dann dürfen sie auch in den Treffen.
00:04:10: Interessant.
00:04:12: Und wie viele Mädchen kommen tatsächlich so durchschnittliche?
00:04:18: Also wir hatten jetzt im letzten Jahr eine Durchschnittszahl von fünfzehn, die eigentlich relativ hoch ist, weil das ist ja nur eine Raum
00:04:24: und
00:04:24: so viel Bewegungsmöglichkeiten gibt es ja gar nicht.
00:04:27: Aber es gibt Tage, da sind hier vier Mädchen und es gibt Tage, da sind hier fünfundzwanzig Mädchen.
00:04:32: Und da das irgendwie im Prinzip der Freiwilligkeit und die offene Kinder- und Jugendarbeit ist, ist das auch immer nicht so einfach einzuschätzen.
00:04:38: Aber ja, im Durchschnitt so um die fünfzehn, würde ich sagen.
00:04:42: Okay,
00:04:42: krass.
00:04:43: Und du hattest schon ein bisschen geschildert, welche Bedürfnisse gab es damals, also mit dieser Untersuchung.
00:04:52: Könnt ihr vielleicht noch mal genauer eingehen, was braucht man tatsächlich im öffentlichen Raum für Mädchen?
00:04:58: und sind jetzt mit dem Mädchen, trefft diese Bedürfnisse erfüllt oder was fehlt noch?
00:05:04: Also ich würde sagen, in erster Linie war das Bedürfnis nach einem Schutzraum stark.
00:05:08: Und dass eben aufgrund von Ausgrenzung, Diskriminierung, Gewalt, männlichen Dominanzstrukturen, war das Bedürfnis stark nach einem Schutzraum, wo man sich zurückziehen kann, aber gleichzeitig natürlich irgendwie auch gegenseitig stärken kann.
00:05:21: Und so das Gefühl, wir wollen einen eigenen Raum nur für uns, wo unsere Bedürfnisse gesehen werden, wo wir gehört werden.
00:05:26: Und Sie zum Beispiel
00:05:27: auch Themen besprechen, die, also Frauen, Sternchen spezifisch sind, irgendwie wie ... Sexualität, erstes mal Periode,
00:05:36: wie Verhütungsmittel,
00:05:38: Themen, die man vielleicht nicht in einem koalituativem Rahmen besprechen will oder kann oder darf oder wo der engste Sinn
00:05:47: Fragezeichen.
00:05:49: Und schon auch, glaube ich ... dieser Wunsch nach Partizipation, nach Mitgestaltung.
00:05:53: Und irgendwie erzählen die Mädchen schon viel.
00:05:55: Ich meine, zu Hause gibt es Regeln in der Schule, gibt es Autoritäten.
00:05:58: Und dass wir schon versuchen, sowohl das Programm als auch die Gestaltung vom Mädchentreff partizipativ zu gestalten und den Mädchen eine Möglichkeit zu geben, mitzubestimmen.
00:06:07: Und ich würde schon sagen, dass auch viele hierher kommen, um das irgendwie auszuleben.
00:06:11: sich ausprobieren zu können, experimentieren zu können.
00:06:13: Und gleichzeitig ist es aber für viele auch einfach ihr Wohnzimmer.
00:06:16: Und die haben Leben teilweise sehr beengt hier in der Blumenau, haben kein eigenes Zimmer.
00:06:21: Und viele kommen auch einfach nur hierher, um zu kochen, um zu quatschen, um ihre Freundinnen zu treffen und sagen, das ist ihr Wohnzimmer und kommen hierhin, um abzuhängen.
00:06:31: Ja, sehr schön.
00:06:32: Aber du hast es schon gesagt, es gibt Tage, wo ... so viele Menschen hier sind und das ist ja ein sehr schöne Ort, aber relativ klein für solche Zahlen.
00:06:43: Was sind denn die Bedürfnisse, die noch geöffnet sind?
00:06:46: Würdet ihr so einen großen Raum brauchen?
00:06:50: Würdet ihr sagen, man bräuchte auch eine zweite Stelle in einer anderen Stadtteil solche Sachen?
00:06:55: Also, wir haben, jetzt hat auch ab im Jahr ist ein zweiter Raum gleich nebenan.
00:07:01: Okay,
00:07:01: schön.
00:07:02: Was sich jetzt zuverlägerweise ergeben hat, dass der Lotto-Laden rausgegangen ist und wir jetzt die Möglichkeit haben, den auch noch anzumieten.
00:07:08: Der ist ähnlich groß wie dieser Raum, den wir in erster Linie dann auch zum Tanzen und Sport machen und nutzen werden.
00:07:13: und auch für die älteren Mädchen, da unsere Altersgruppe von neun bis achtzehn ist und das ja eine sehr große Alter-Spanne ist und dadurch ja sehr unterschiedliche Bedürfnisse existieren, können wir da auch so ein bisschen so eine Altersaufteilung machen.
00:07:23: Und natürlich können wir auch dann mit der Erhöhung auf Vollzeit stellen, können wir mehr öffnen und haben durch den zweiten Raum mehr Möglichkeiten, aber ich würde trotzdem sagen, dass wir sicher nicht alle Bedürfnisse abdecken können und dass wir nicht jedes Wochenende aufhaben können, dass wir nicht in den Abendstunden so viel aufhaben können und das... Die Frage nach der Sicherheit im öffentlichen Raum.
00:07:41: oder wie fühlen sich Mädchen hier in der Blumenau?
00:07:43: Wie ist das Gefühl im Traff-Ir.
00:07:45: der eigentlich
00:07:45: doch sehr jungstominiert ist?
00:07:47: Das können wir glaube ich nur nicht diesen Mädchen-Traff leider nicht komplett auflösen.
00:07:51: Und ich meine die, also für die Mädels... hätten wir am liebsten irgendwie vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche auf und fallen auch am Wochenende oder an einem Sonntag, an einem Samstagabend, weil da eben sonst nichts offen hat oder weil es da sonst nichts gibt.
00:08:06: Die würden das sicher in Anspruch nehmen.
00:08:08: Das ist dann eine Frage von Kapazitäten und Stunden und auch persönlicher Motivation und Räume, würde ich sagen.
00:08:15: Ich habe ja jetzt lange im Treff einundzwanzig auch gearbeitet und der ist groß eigentlich.
00:08:20: Der hat viele verschiedene Räume und hat einen großen und eine DJ-Kanzel und so alles Mögliche.
00:08:25: Und an den Mädchentagen breiten die Mädels sich schon auch immer gut aus und besetzen eigentlich jeden Raum, den es da gibt.
00:08:32: Und das ist auch total schön, weil die das so im Vergleich zu sehen zum co-educativen Rahmen, weil die sich dann tatsächlich ... Also, wenn die Jungs eben da sind, sitzen die oft ... Also, es gibt schon Vereinzelte, die sich irgendwie Raum nehmen, auch wenn die Jungs im Saal sind und dann tanzen, die da trotzdem und machen ihre Musik an so.
00:08:47: Aber es gibt einfach oft auch die Beobachtung, dass die nur im Mädchenzimmer sitzen.
00:08:52: und sich quasi so zurückziehen, weil die Jungs eben dann schon an der Theke abhängen und da irgendwie mega leer machen und laut sind und so.
00:08:59: Und das ist dann immer ganz schön, ein Mädchentag zu sehen, wie die sich dann tatsächlich irgendwie total
00:09:05: da ausbreiten
00:09:06: und ja, eigentlich jeden Raum irgendwie besetzen und basteln und kochen gleichzeitig und tanzen und spielen und irgendwie draußen noch sind.
00:09:17: Also ich würde sagen, wenn wir Möglichkeiten hätten, mehr Räume zu haben, würden sie sicher irgendwie nutzen.
00:09:24: Ich glaube, wir schauen.
00:09:25: Ich glaube, auch noch ein Aspekt, den wir auch nicht immer so ganz erfüllen könnten, wie wir es gerne wollen würden, ist so der Beratungsaspekt.
00:09:31: Weil wir das natürlich nur bis zu einem gewissen Grad machen dürfen, weil wir sind Pädagoginnen, keine Psychologinnen und sind ja auch jetzt hier keine Therapie-Einrichtung.
00:09:40: Aber gerade so einen offenen Betrieb beim Kochen oder wenn man einfach auch in die Beziehungsarbeit ja auch irgendwie intensiviert mit den Mädchen, dann kommen einfach Themen und Problemlagen auf.
00:09:48: Und auch dafür haben wir oft nicht die Kapazitäten, wenn das in einem offenen Betrieb ist, wo man eigentlich gerade bastelt oder ein politisches Bildungsprojekt oder so was.
00:09:54: dann haben wir ja nicht die Möglichkeit da eine gute individuelle eins zu eins Betreuung zu stellen.
00:10:00: Also da würde ich auch sagen, dass ein großer Bedarf ist von Mädchen, die... Personen suchen, denen sie vertrauen können, die vielleicht auch nicht in einem System wie Schule stecken, wie die Schulsozialarbeit.
00:10:12: Und da sind wir, würde ich sagen, auch Ansprechpartnerinnen.
00:10:14: Ja,
00:10:15: und ich kann mich gut vorstellen, dass es auch schwierig mit einer so große Spannbreite zwischen neun und acht Jahren einige Themen zu behandeln in einem Raum, wo du hast vorher erzählt, so Periode oder auch ... Verhütung, sexuelle Erziehung, Beziehungen.
00:10:33: Wenn den gleichen Raum auch in den Nonnenjährigen steht, das ist auch schon schwierig.
00:10:38: Ja, und da gibt's teilweise schon auch immer so Spannungsfelder.
00:10:43: Da muss man manchmal auch abwägen, was kann ich in welchem Rahmen wir erzählen?
00:10:47: Oder bespreche
00:10:48: ich vielleicht manche Sachen noch mal in der Abendöffnung oder extra mit den Älteren oder such mir irgendwie eine Ecke und Parallel findet was anderes statt.
00:10:55: Und die Jüngeren sind eher da, weil es schon auch immer verwirrende Fragen gibt auch von den Jüngeren so, hä, wie echt funktioniert es
00:11:02: so?
00:11:03: Und die finden das natürlich noch alles noch super eklig.
00:11:06: und wollen damit irgendwie gar nichts zu tun haben und so.
00:11:09: Und das sind schon auch Spannungsfelder,
00:11:11: ja.
00:11:11: Ja,
00:11:12: klar.
00:11:12: Und andererseits machen wir aber auch, also wir hatten ein sexualpädagogisches Projekt auch vor kurzem hier und das war dann auch erst ab einem bestimmten Alter.
00:11:19: Okay, okay.
00:11:20: Und gleichzeitig würde ich aber auch sagen, also ich finde es total spannend mit so einer
00:11:22: großen Altersgruppe
00:11:24: zu arbeiten, jetzt nicht nur mit eher noch... Mädchen, die Kinder sind oder mit jungen Frauen, sondern findest total interessant, weil es einfach eine große Breite irgendwie aufmacht an Lebensrealitäten und Problemlagen, die an die Altersgruppen dann gekoppelt sind.
00:11:35: Und die Mädchen haben hier aber dadurch, dass das auch so ein langer Kampf war, bis dieser Mädchentreff etabliert wurde und gegen diese Widerstände der Politik zu kämpfen.
00:11:41: Und die Mädchen waren da teilweise auch wirklich sehr engagiert dabei und haben das einfach auch begleitet.
00:11:45: Identifizieren die sich ziemlich krass mit diesem Mädchentreff und fühlen sich ja einfach sehr zu Hause.
00:11:49: Und das ist ihr Mädchentreff.
00:11:50: Und das ist so ein verbindendes Element, was über alle Altersgruppen hin irgendwie stattfindet.
00:11:54: wo die Eltern in den Jungen dann helfen und wo die Eltern in den Mädels die Kleinen dann ganz süß finden.
00:12:00: Ich würde schon sagen, dass sie hier so ein verbindendes Ding haben, was dann... Wo das Alter dann auch egal
00:12:05: ist.
00:12:05: Und viele sind, würde ich sagen, hier sozusagen groß geworden oder über die ganzen Jahre, in denen dieser Mädchentreff irgendwie arbeitet wurde und wie viel Arbeit da reingesteckt wurde.
00:12:17: Die haben ja quasi die Mädels alle miterlebt, da waren... Also Sandra und ich noch gar nicht hier im Stadtteil überhaupt.
00:12:23: Und würde ich schon sagen, dass das auch... dass sozusagen groß werden mit so einem Projekt und das auch so partizipativ angelegt ist, wo die Mädels irgendwie mit in eine Startratssitzung genommen wurden und so weiter, dass das total verbindend
00:12:36: ist.
00:12:37: Dass die das wirklich irgendwie, ich weiß nicht, wenn sie waren, manche erzählen und jetzt sind sie halt fünfzehn und haben die ganze Zeit quasi das so mit erlebt und mit gestaltet und dass das schon viel macht.
00:12:47: Ja, ja.
00:12:48: Schön.
00:12:48: Und glaubt ihr, dass es einen Grund gab, warum es genau in der Blumenau entstanden ist?
00:12:54: Es gab so einen besonderen Bedürfnis von diesem Stadtviertel.
00:12:58: Beziehungsweise würdet ihr sagen, dass man andere Männchen treffen, in anderen Stadtviertel München braucht.
00:13:04: Also, ich weiß, dass es gibt in Gieseng auch eine ähnliche Initiative.
00:13:09: Aber nicht autonom, wie hier wird.
00:13:13: Genau, was sind eure Entscheidungen?
00:13:16: Also ganz kurz nur zu dem Autonomen, wir bleiben bei unserem Träger, sind sozusagen nur nicht mehr die Außenstädte von dem Zentrum.
00:13:22: Ja,
00:13:23: ich würde schon sagen, dass es sozusagen wenn... wenn Mensch die gesellschaftliche Perspektive irgendwie einnimmt,
00:13:30: dann
00:13:31: sind ja patriarchale Strukturen ein gesellschaftliches Thema.
00:13:35: Deswegen würde ich ohne jetzt direkt irgendwie wissenschaftlich fundiert hier irgendwie zu sprechen oder an Zahlen zu sprechen schon sagen, wenn man sozusagen davon ausgeht, dass Räume sowie Gesellschaft
00:13:47: eben
00:13:48: männlich vorstrukturiert ist oft, dass das schon in anderen Vierteln Auch Mädchentreffensbrauch oder bestimmte Räume braucht für bestimmte Gruppen, die sich irgendwie den Zugang brauchen und die vielleicht bisher den Zugang noch nicht hatten zu bestimmten Ressourcen oder so.
00:14:06: Und es gab eben, es gab diese Sinus-Studie, die in Auftrag gegeben wurde, von der Stadt um zu überprüfen, kann der Mädchentreffende Blumen auch übertragbar sein in andere Stadtviertel oder das Konzept sozusagen.
00:14:18: Ich glaube, dass sich natürlich mit Ressourcen Geld, finanzielle Sicherheiten, schon auch in der Blumenau.
00:14:29: dass die Strukturen rauskristallisieren, allein von Raum sozusagen,
00:14:33: als
00:14:34: beispielsweise im Lehel
00:14:35: oder Vierteln,
00:14:37: wo es irgendwie mehr finanzielle Möglichkeiten da sind.
00:14:41: Da kristallisiert sich dann vielleicht männliche Dominanz anders raus als hier
00:14:46: in der Blumenau.
00:14:47: Genau, vielleicht für diejenige, die den Blumenau nicht kennen.
00:14:50: Was ist von hier besonders, würdet ihr sagen?
00:14:53: Also, ich würde schon sagen, dass es ein Viertel ist mit viel ... Also, wo der Altersunterschied ziemlich hoch ist, es gibt viele ältere Menschen, die hier wohnen und dann eben viele Jugendliche, die da treffen halt so zwei Welten aufeinander.
00:15:07: Ich glaube, dass es einen ziemlich hohen AfD-Wählerinnenanteil gab hier in dem Viertel.
00:15:14: Und es gibt viele Jugendliche, die eben Familien haben mit nicht deutschen Wurzeln, also die in irgendeiner Art und Weise irgendwie perspektiven Wurzeln Prägungen mitbringen.
00:15:27: die sozusagen nicht deutsch sind.
00:15:29: Und
00:15:30: da es
00:15:31: einen Gruß aufeinander treffen von zwei verschiedenen Welten gibt, habe ich mal behaupten so.
00:15:36: Und viel Reibung.
00:15:38: Und eben, dass die finanzielle Lage bei vielen nicht so super mega... Also, ich meine, München ist ja sowieso... Schwierig und teuer und es ist eh schwierig, überhaupt Wohnungen zu finden, aber wir haben eben viele Mädels oder Jugendliche, die wir betreuen, die eben kein eigenes Zimmer haben, die sich viel Raum teilen müssen, wo irgendwie eine sechsköpfige Familie auf drei
00:15:58: Zimmern wohnt.
00:16:00: Das hören wir viel.
00:16:02: Und deswegen auch die wirklich so eine spürbare Not
00:16:05: an Raum
00:16:06: und das verhandeln wir dann auf das Thema, weil die Jugendlichen oder die Mädels jetzt hier, die
00:16:12: kommen, Raum
00:16:13: dann auch nicht so gern teilen wollen.
00:16:15: Also die wollen dann gerne auch einfach eigentlich so den Raum für sich haben, weil sie es wahrscheinlich sonst nie eher nicht
00:16:21: haben oder schwer haben.
00:16:24: Das auch noch über die Blumenau oft gesagt wird, dass es so eine Art Inselcharakter hat, also dass es keine besonders gute Infrastruktur hat und dass auch irgendwie so der soziale Raum einfach wenig von Geschäften oder kulturellen Einrichtungen irgendwie geprägt ist.
00:16:37: Durch die schlechte Infrastruktur, viele Jugendliche auch oft in der Blumenau so haften bleiben.
00:16:41: Und es ist nicht so, die Innenstadt ist einfach weit und es gibt keine U-Bahn.
00:16:45: Ich würde auch noch sagen, dass das Etikett ist, was der Blumenau zugeschrieben wird.
00:16:50: Und viele Sozialwohnungen, hoher Armutsanteil.
00:16:55: Kommen aber auch Mädchen aus anderen Stadtviertel oder sind nur so ansässige?
00:17:00: Also selten.
00:17:02: Ich würd schon sagen, dass die meisten, die auch regelmäßig kommen in der Umgebung, ohne mal mehr, mal weniger.
00:17:08: Wir haben aber auch ein paar Mädchen, die von weiter wegkommen und eine halbe Viertelstunde mit dem Rad herfahren, die wir dann über den letzten Internationalen Mädchentag gewonnen haben.
00:17:18: Und die wirklich auch herkommen, weil wir schon ein sehr feministisches und parteiliches Konzept haben.
00:17:25: Und auch klar sagen, natürlich sollen die Mädchen hierherkommen und Spaß haben und kochen und sich wohlfühlen und irgendwie Quatsch machen.
00:17:29: Aber wir sagen schon noch, mit ihnen betreiben und dass das unser Anspruch ist, eine politische Haltung hier auch zu vermitteln.
00:17:36: Und es gibt auch wirklich Mädchen, die von außerhalb genau deswegen hierher kommen, weil sie halt sagen, okay, bei ihnen ist der Jugendtreff halt Lali-Fali und Kicker spielen und es reicht ihnen halt nicht, sondern sie wollen Inhalte machen.
00:17:44: Und genau, dafür kommen
00:17:45: auch noch ältere, vor allem in die Abendöffnung.
00:17:47: Und das ist natürlich
00:17:48: mega schön.
00:17:49: Ja, schön.
00:17:50: Ähm, vielleicht dann ja etwa ... provokative Frage, aber mal ein bisschen die Verbindung zu dem Video zu machen.
00:17:58: Im Video, wir haben das Mädchentreff als ein Beispiel vor einem Geschutzenraum, ein Safe Space, vorgestellte.
00:18:05: Welche andere Art von Geschutzer räumlichkeiten gibt es in der Stadt?
00:18:09: Für wen?
00:18:10: Weil es ist auch mal interessant, zu sehen, die breite Palette, für wen braucht man Geschutzenraum?
00:18:18: Und dann, das ist ... Die Frage, aber ... ja, ich stell das später mal.
00:18:24: Zuerst.
00:18:24: Für wen gibt es einen geschützten Raum in der Stadt, soweit ihr weiß?
00:18:30: Ja, es gibt auf jeden Fall Jugendzentren oder Treffs oder Anlaufstellen für bestimmte Zielgruppen.
00:18:37: Wir haben viele rausgesucht.
00:18:39: Also, wir haben mal gesammelt im Kopf, was wir so wissen.
00:18:42: Und sind vor
00:18:43: allem auf viele gestoßen, die irgendwie mit sexueller Orientierung zu tun haben.
00:18:47: Also, Queerinter ... Personen des Diversity, die Jules von immer, das Sub, genau, Letra, die Regenbogenfamilienzentrum, so.
00:18:59: Aber es gibt auch Jugendzentren, die sich selber sozusagen, die sich selber mit multikulturell vorstellen und interkulturell.
00:19:07: Da gibt es im Westend eins und im ... In der Einsteinsstraße, genau.
00:19:13: Die sozusagen den Fokus auf Austausch und Kommunikation und so was liegen.
00:19:18: Genau, ja.
00:19:20: Okay, okay.
00:19:21: Und die provokative Frage ist eher in unserem Vorbereitungsinterview.
00:19:26: Wir waren schon mal hier, auch in anderen Jugendzentren, haben wir erfahren, dass es auch ... Menschen gibt, die gezielten nicht in diesen Geschützendräumen gehen, weil sie meinen, dass sie ansonsten die anderen, also meistens so weißen Äther und Jungs, sagen wir mal, nicht daran gewöhnen, dass es auch Menschen gibt, die anders sind, anders dicken und andere Bedürfnisse haben.
00:19:48: Was ist Ihre Meinung dazu?
00:19:50: Ich meine, ich persönlich finde so einerseits, man braucht diese Geschützerahme, aber auch gleichzeitig diese Berührungsmöglichkeiten.
00:19:59: Was ist eure Position dazu oder auch eure Erfahrung?
00:20:02: Haben wir auch viel darüber diskutiert und ... sind so zu dem Ergebnis gekommen, dass man es parallel eigentlich denken muss.
00:20:09: Also es braucht beides und ich finde das immer schwierig, nur ein bestimmtes Label zu verwenden, das irgendwie in dem Fall jetzt bei unserer Zirkupel den Mädels zu verpassen und da müssen sie dann rein und dann schafft man einen Raum und da müssen sie dann rein und dann gibt es aber auch nur das, weil Lebenslagen ja vielfältig sind, das kennt man von sich selber auch und ich persönlich möchte auch nicht nur über meine sexuelle Identität identifiziert werden.
00:20:35: Ich habe halt tausend verschiedene Facetten und bin in verschiedenen Kontexten unterwegs und die Jugendlichen genauso.
00:20:40: Deswegen würde, wenn wir sagen, es braucht auf der einen Seite Self-Spaces oder bestimmte Schutzräume, um sozusagen in seiner Community sich Support zu holen und mal durchzuatmen und sich nicht immer erklären zu müssen.
00:20:54: Und dann braucht es aber parallel dazu auch Räume, die eben nicht nur zugeschrieben sind auf bestimmte Merkmale, wie auch immer die eben sind.
00:21:03: Und das eben in solchen Kontexten... Das dann an der pädagogischen Arbeit hängen bleibt sozusagen da, sensibel zu sein und eben alle diese Punkte mit auf dem Schirm zu haben.
00:21:16: Und zu wissen, dass Jugendliche, die unterschiedliche Hintergründe haben, die unterschiedliche Bedürfnisse mitbringen, die unterschiedlich lieben,
00:21:26: wie auch
00:21:26: immer eben auch
00:21:28: da sind.
00:21:29: Nur weil die nicht mit einem Label rumlaufen, heißt es nicht, dass Jugendliche wie auch immer nicht existieren.
00:21:34: Genau, dass es quasi eben beides braucht.
00:21:36: Dass es so eine Parallel-Bewegung
00:21:39: geben muss.
00:21:40: Und ich glaube, leider sind wir halt gesellschaftlich noch nicht so weit, dass wir eben sagen können, okay, alle Personen können einfach überall immer zusammen sein.
00:21:46: Das wäre ideal.
00:21:47: Das wäre die Utopie.
00:21:49: Aber leider sind bestimmte Personengruppen von unterschiedlicher Diskriminierung betroffen.
00:21:53: Und wenn man das dann auch noch intersektional denkt, dann ist es einfach noch mal eine andere Lage.
00:21:56: Und wir hatten jetzt über das letzte Jahr auf jeden Fall, würde ich sagen, so in der parteilichen Mädchenarbeit in München auf jeden Fall eine große Diskussion, ob wir von Mädchen und Frauensternchen sprechen.
00:22:07: Das heißt, ob wir auch Personen, die sich nicht zuordnen wollen, also non-binary sind oder inter oder trans Personen, ob die sozusagen von unseren Angeboten auch angesprochen sind und ob jetzt auch zum Beispiel dieser Raum.
00:22:18: Ja, für wen ist der eigentlich offen?
00:22:19: Was sind überhaupt Mädchen und wer definiert ist?
00:22:21: Und definiert das ein biologisches
00:22:23: Geschlecht?
00:22:23: Also das auf gar keinen Fall.
00:22:25: Aber auch diese Diskussion öffnet gerade so ein bisschen diese Vorstellung, was sind Mädchen, was sind Jungen?
00:22:30: Wer ... Wer hat Interesse an welchen Angebotstrukturen?
00:22:34: Wie verändert sich auch so ein Angebot, wenn es offen wird?
00:22:36: Und das ist auf jeden Fall spannend, dass da was passiert.
00:22:38: Und wir haben uns jetzt auf jeden Fall für das Münchner Fachforum, für Mädchenarbeit, wo die Vereinigung von ganz vielen Einrichtungen ist, uns für das Sternchen entschieden und auch wir uns hier für unsere Einrichtung.
00:22:46: Aber ja, das ist auf jeden Fall spannend, was da passiert, wenn sich... Solche Grenzen irgendwie auflösen.
00:22:51: Ja.
00:22:52: Und denkt ihr nicht?
00:22:54: Ich überlege nur, weil ihr gerade erzählt hat von eure auch so inhaltliche Arbeit, politische Bildung, Diskussion über feministischen Themen.
00:23:03: bräuchten wir nicht auch solche Diskussionen auch für Jungs.
00:23:07: Auf jeden Fall.
00:23:07: Auf
00:23:08: jeden Fall.
00:23:08: Und in welche Form könnten diese angeboten werden?
00:23:13: Also macht ihr auch so Kooperationen, beispielsweise mit dem Jugendtreffer einundzwanzig oder mit anderen Einrichtungen?
00:23:20: Also hier, der Mädchentreff sollte sich abkoppeln von der Co-Education, also der Arbeit mit Mädels und Jungs sozusagen im offenen Betrieb vom Treff einundzwanzig,
00:23:31: um sozusagen
00:23:32: eine Parteiligkeit zu gewährleisten für die Mädels.
00:23:35: Deswegen hat Sandra einfach als Mädchenarbeiterin, war hier tätig, die Jungs... Kennen Sie vielleicht vom Durchlaufen vom Treff, weil wir da eben gerade noch Büroräume haben, aber ist sozusagen keine Ansprechpartnerin.
00:23:47: Und jetzt von der Arbeit im Treff einundzwanzig ist es schon so, dass wir quasi, also dass ich Mädchenarbeit gemacht habe, eben im Treff einundzwanzig, aber eben auch co-educativ gearbeitet habe.
00:23:56: Und da schon natürlich super wichtig ist, die Fragen zu behandeln und die kommen auch von den Jungs.
00:24:04: Und das finde ich persönlich super wichtig, sich damit auseinanderzusetzen.
00:24:09: Und eben nicht nur mit den Mädels zu arbeiten, sondern auch mit den Jungs zu arbeiten.
00:24:14: Also einfach mit Personen zu arbeiten und das zu besprechen.
00:24:18: Und ich glaube, es gibt den meisten Jugendzentren, den Mädchentag und den Jungstag.
00:24:22: Aber es bräuchte auch mehr spezifische Angebotsstrukturen für Jungs, weil es kann nicht sein, dass wir dauernd mit Mädchen arbeiten zum Thema Grenzverletzung oder Normativität oder verhaltene Beziehungen oder Machtverhältnisse oder Gewalt.
00:24:32: Und das findet ganz vermehrt statt.
00:24:35: Und bei den Jungs findet das nicht statt.
00:24:36: Das ist ein Missverhältnis.
00:24:37: Ich glaube, wenn wir Gerechtigkeit wollen und wenn wir wollen, dass alle Geschlechter so leben können, wie sie wollen und sich vielfältig ausdrücken können und wir dauernd mit Mädchen arbeiten, wie kann denn Weiblichkeit anders gehen?
00:24:47: gedacht werden, können Frauen nicht auch so aussehen.
00:24:49: Dann muss das auch mit Jungs passieren und da muss hinterfragt werden, was ist überhaupt Männlichkeit?
00:24:53: Wer legt das fest?
00:24:53: Wie kann man sich als Mann vielleicht auch anders ausdrücken?
00:24:55: Und ich glaube, wenn es nicht parallel stattfindet, dann... kommen wir nicht zusammen.
00:25:00: Und ja bei den Jungs da auch super viele Fragen existieren von wie muss ich sein, wie hat man zu sein, wie führe ich Beziehungen, was ist richtig, was ist falsch, das sind ja genauso Fragen, die da sind, die eben auch von Jungs kommen.
00:25:14: natürlich klar, weil es sich einfach irgendwie damit beschäftigt wird, wie Leben funktioniert und mit welchen Bildern arbeiten wir und was geben wir ihnen vielleicht mit?
00:25:22: Wir haben da zum Beispiel die Heroes auch
00:25:25: teilweise eingeladen,
00:25:27: die da eben gute Projekte auch mit den Jungs machen.
00:25:30: So viele Themen
00:25:32: nochmal anders besprechen können,
00:25:33: weil sie anders betroffen sind.
00:25:37: Für diejenigen, die das nicht kennen, was sind denn die Heroes?
00:25:41: Die Heroes sind ein Projekt, die mit Jugendlichen arbeiten.
00:25:45: Also quasi jeder Jugendliche, der ...
00:25:48: Nehmen
00:25:48: wir einen Jugendlichen, der geht hier ins Jugendzentrum und wird älter, älter, älter.
00:25:53: Und hat Bock, auch mit Jugendlichen zu arbeiten, kann sie sozusagen zu einem Hero ausbilden lassen.
00:25:59: Und erzählt dann.
00:26:00: Die sind oft von der Parteilichkeit noch mehr näher dran an den Jugendlichen, weil ich ja auch viel Biografie nicht in mir
00:26:07: hab.
00:26:07: Und
00:26:08: die Jugendlichen sind Expertinnen für sich selber.
00:26:11: Und ich kann nur, weil ich soziale Arbeit studiert hab, nicht irgendwie ... in meine Lebensweisheit oder meine Studien, die ich auswendig gelernt habe, aufdrücken.
00:26:21: Und ihnen die Welt erklären niemals, würde ich das tun, so.
00:26:25: Und da sind eben die Heroes noch näher dran und können dann eben manchmal Fragen von mit Sexualität oder so Geschichten.
00:26:32: Besserthema, die sind
00:26:33: als ich jetzt.
00:26:33: Als
00:26:35: Frau
00:26:35: in einem Jugendzentrum mit irgendwie siebzehn Jahre alten Jungs.
00:26:40: Die nehmen dann ... Das anders auch an, für andere Gespräche statt.
00:26:44: Das ist so eine Art Alumneprogramm.
00:26:47: Genau.
00:26:47: Aus einem Studium
00:26:48: nur aus dem so lebenserfachen.
00:26:51: Ja,
00:26:51: genau.
00:26:51: So Street University.
00:26:54: Und auf fachlicher Ebene gibt es auf jeden Fall einen Austausch.
00:26:57: Es gibt die Koop-Maya, dass die Kooperation, Mädchen und Jungen arbeiten.
00:27:01: Da hat mir vor Kurzem einen gemeinsamen Fachtag.
00:27:03: Da wird natürlich ausgetauscht, was passiert in der Jungsarbeit, was passiert in der Mädchenarbeit.
00:27:06: Okay.
00:27:07: Ein Aspekt, der mir eingefallen ist, was auch immer wieder spannend ist, Das Label, was uns hier zusammen für die Mädchen trefft, wir sind Frauen oder Mädchen, Sternchen und deswegen kommen wir zusammen und das ist sozusagen das verbindende Element.
00:27:19: Und durch den Weltfrauentag, den internationalen Mädchentag oder andere Anlässe thematisieren wir immer wieder um gleiche Bezahlung, Sexismus, Macht- und Gewaltverhältnisse, Homophobie, was auch immer irgendwo gepolt auf unserer Geschlecht- oder Geschlechtsidentität.
00:27:35: Und es passiert auch immer wieder, dass die Mädchen sagen, wo hört man auf mit dem Scheiße, wir wollen nicht mehr drüber reden.
00:27:40: Und die natürlich auch manchmal keine Lust haben auf diese Defizitärperspektive und auf diese Reduktion, auf Frau sein oder Mädchen sein, dass denen manchmal irgendwie so ... Ja, die sind manchmal übertrückstig werden.
00:27:51: Manche sehen
00:27:52: dann der Opferrolle,
00:27:53: den Druck zu werden.
00:27:54: Genau.
00:27:56: Das ist ja auch für einen selber oft eine Herausforderung, dass man sich natürlich irgendwie mit den gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und den Machtverhältnissen auseinandersetzen will und die ja auch ganz klar benennen muss.
00:28:04: Und gleichzeitig zwingen uns die Mädchen aber immer ... wieder davon auch Abstand zu nehmen und sagen, hey, wir sind einfach Menschen und jetzt sind wir hier zusammen, weil wir uns gut verstehen oder weil wir gerade dieses Spiel spielen wollen oder diesen Ausflug machen wollen.
00:28:14: Und dass die manchmal so diese Mädchenperspektive und das ist ein geschützter Raum und ihr kommt ja alle her und ihr seid ja alle unterdrückt so.
00:28:20: Dass die das manchmal total ablehnen und ja, das ist manchmal spannend für einen selber, weil wir natürlich ganz viel Bildungsarbeit hier machen wollen und die Mädchen dann aber gar keine Lust auf das Label haben.
00:28:31: dass auch bei anderen Zentren passiert, auch bei Julius oder so was, wo Mädchen vielleicht lesbischen, aber das nicht als verbindendes Element erleben, sondern weil sie gerne Klettern gehen und deswegen bei unserem Kletterausflug dann mitkommen.
00:28:42: Das ist das verbindende Element und das verbindet sie nichts mit irgendwelchen anderen lesbischen Personen außer die sexuelle Orientierung.
00:28:48: Ja,
00:28:49: klar.
00:28:49: Genau.
00:28:51: Ihr habt das schon mehrmals angesprochen.
00:28:53: An der Seite die Konflikte, aber auch die Unterstützung, die er aus der Stadt bekommen hatte.
00:28:58: Welcher Kontakt habt ihr mit den Staaten der Institutionen?
00:29:03: Gibt es regelmäßige Treffen?
00:29:05: Und wie können Mädchen dann selbst ihr Anliegen äußern?
00:29:10: Zum einen sind wir sozusagen
00:29:11: ... innerhalb
00:29:12: pädagogischer Fachkräfte, Fachfrauen, Fachpersonen vernetzt durch das Fachforum Münchner Mädchenarbeit, das immer regelmäßig Sitzungen abhält und sind aber hier im Stadtteil vernetzt durch den Unterarbeitskreis Blumenau,
00:29:26: Facharbeitskreis
00:29:26: Hadern, in dem bestimmte Personen mit drin sitzen, wie ein Familiencafé, die Polizeibeamtinnen, solche Leute, genau Bezirksausschuss, haben eben durch das Fachforum auch Vernetzung sozusagen in die Politik, also das Jugendamt ist mit drin.
00:29:41: Gleichstellungsstelle.
00:29:42: Und mit den Mädels versuchen wir auch, soweit die Strukturen möglich sind.
00:29:48: Also auch da ist es spannend, wie können wir Zugänge schaffen und wie können wir Strukturen so verändern, dass nicht immer dieselben reden.
00:29:54: Und wir sind zwar Sprachrohr, aber es ist auch schön, wenn die für sich selber sprechen und es ist wichtig, wenn sie für sich selber sprechen.
00:30:01: Und da gab es eben jetzt die Mädchenkonferenz im Rathaus aktuell als Beispiel sozusagen.
00:30:09: Mhm.
00:30:10: Und was ist rausgekommen?
00:30:12: Was ist da stattgefunden?
00:30:14: Vielleicht können wir dann auch in den Show-Notes des Podcasts so ein paar Verlinkungen machen, ja.
00:30:20: Die Milchinkonferenz wurde organisiert zum Jubiläum von hundert Jahre Frauenwahlrecht, dreißig Jahre Kinderrechtskonvention und dreißig Jahre Milchner Fachforum, also das waren so die Anlässe.
00:30:30: Und dann haben wir uns eben im Rathaus versammelt mit Politikerinnen aus dem Stadtrat und verschiedenen Bezirksausschüssen und verschiedenen ... Mädchen-Einrichtungen oder auch Jugendzentren, Horts, verschiedene Mädchengruppen in anderen Einrichtungen.
00:30:44: Und genau, die haben dann jeweils ihre Themen vorgetragen in zwei Art und Weisen.
00:30:48: Zum einen eher in Form von konkreten Anträgen.
00:30:51: Also das ging dann irgendwie um die Tourenhalle, die irgendwie erneuer werden muss, also sehr konkrete Sachen.
00:30:55: Und aber auch eher anliegen, wie zum Beispiel mehr Einsatz für Umweltschutz oder dass es mehr Mädchentreffs geben soll oder dass sich die Sicherheit im öffentlichen Raum für Mädchen verändern soll.
00:31:04: Das wurde dem Politikerinnen dann auf verschiedene Artenweisen vorgetragen mit Videos, mit Reden, mit Fotos.
00:31:08: Und dann wurden sozusagen Patinnen gefunden und die Politikerinnen haben sich jeweils einer Mädchengruppe sozusagen... verschrieben.
00:31:16: Und jetzt ist von unserer Organisationsgruppe sozusagen das Ziel, dass innerhalb von drei Monaten da was passieren muss.
00:31:22: Also entweder kommt die Politiker dann in den Treffen, es gibt eine Diskussion oder man macht eine Stadtteilbegehung oder man reicht einen Antrag bei der und der Behörde, beim Bauamt ein, jetzt für diese Turnhalle.
00:31:30: Und genau, wenn das sozusagen nicht passiert, also kein erster Kontakt oder Austausch stattfindet, dann werden wir da hintergehen und Druck machen, dass da was stattfindet.
00:31:38: Genau, es war ein ganz... Ganz spannend ist ein tolles Event, das auch so zum ersten Mal stattgefunden hat, weil die Mädchen sich den Raum total genommen haben und der ganze Rathaussaal voll waren.
00:31:47: In Wänden waren auch noch verschiedene Ausstellungen von Gruppen und richtig in die Diskussion gegangen sind und auch immer wieder... sehr stark ihre Meinung vertreten haben und nach einer Partien gefordert haben und gesagt haben, nee, somit hier so schwachen Zusagen lassen sie sich irgendwie nicht abspeisen.
00:32:01: Und das war richtig stark.
00:32:02: Und haben auch vor das nächste Jahr auf irgendeiner Art und Weise auch zu wiederholen.
00:32:06: Und sind jetzt natürlich gespannt, was sich da die Politikerinnen oder die Eindichtungen einfallen lassen.
00:32:12: Und es ist uns jetzt schon klar, dass natürlich, wenn jetzt eine Mädchengruppe da vordert, dass es mehr Umweltschutz ist, dass es nicht so einfach umzusetzen ist oder nachweisbar ist, was das stattfindet.
00:32:20: Aber auf jeden Fall, dass Mädchen gehört werden, zum ersten Mal im Rathaus waren und überhaupt dazu sprechen und sich zu adäkulieren und erst zu überlegen, was ist überhaupt mein Bedürfnis, was nervt mich an dieser Stadt, was für die Veränderungen.
00:32:32: Ich glaube, dafür war es allein schon ein total wertvolles Projekt.
00:32:35: Sehr cool.
00:32:37: Und abschließend für diejenige, die uns hören und das Mädchen-Treff noch nicht betreten haben oder davon noch nicht gehört haben, was wäre für euch wichtig, dass die Leute über diesen Ort wissen?
00:32:50: Ich glaube, es wäre schon mal cool, dass sie überhaupt was von diesem Ort wissen.
00:32:53: Und wissen, dass es Mädchentrefs gibt und dass es parteiliche Medienarbeit gibt.
00:32:58: Also wenn ich oft jetzt in Runden, wo ich noch niemanden kenne, sage, was ich arbeite, dann können sich richtig viele Leute nichts darunter vorstellen.
00:33:04: Und klar, einem Jugendzentrum mit so zu arbeiten, das können sie sich vorstellen, wobei es dann auch eher damit verknüpft ist, zu kickern und irgendwie Kohle auszugeben.
00:33:10: Und mir wäre es irgendwie wichtig, zu zeigen, was parteiliche Mädchenarbeit bedeutet und auf wie vielen Ebenen das stattfindet und was Mädchen brauchen und dass es mehr gesehen wird.
00:33:20: Ein Mädchen treffe ist ja auch eine Symbolik, okay, so was braucht's scheinbar.
00:33:23: Und dann hinstell schon, warum braucht's so was.
00:33:25: Und dann all diese Umstände, warum es das braucht,
00:33:27: abzuschaffen.
00:33:29: Das ist schön.
00:33:32: Ich glaub, mir ist es wichtig, wie die Sanna schon gesagt hat, Mädels wissen, dass es den Ort hier gibt und dass ... dass sie hier Support kriegen und Unterstützung, wenn sie das möchten.
00:33:45: Und dass sie aber auch einfach hier abhängen können, ohne irgendwas sein zu müssen.
00:33:49: Und dass sie sich reintrauen.
00:33:52: Und das soll ein ganz niederschwelliges Angebot sein, zum Ausprobieren ohne ... Also, natürlich haben wir auch ... Es gibt natürlich ein paar Regeln so.
00:34:00: Aber wir versuchen das so gering wie möglich zu halten.
00:34:03: Und die Mädels sollen hier einfach viel Entfaltungsfreiraum kriegen, weil der oft genommen wird durch ... unterschiedliche Gegebenheiten, Umstände, Regeln
00:34:14: und so.
00:34:14: Genau, das ist einfach
00:34:16: ein Freiraum.
00:34:17: Und Sie dürfen gerne mitgestalten.
00:34:20: Kollegin hat mir gesagt, ja, der öffentliche Raum ist in den Zellern männlicher Raum, weil Männer, wenn sie sich, also mit gutes Wetter natürlich, wenn sie sich treffen möchten, dann kann man in einem Park, auf einem Bank irgendwas machen.
00:34:36: Mädels treffen sich eher so in einem Café.
00:34:39: Tee trinken können.
00:34:39: Also auf jeden Fall etwas, was mit Konsumzwange auch verbunden ist, weil den öffentlichen Raum für mich den wirklich sehr verdränglich empfunden wird.
00:34:50: Und ich finde, das ist toll, was ihr macht.
00:34:53: Und ja, danke für das
00:34:55: Gespräch.
00:34:57: Und das war's für diese Folge.
00:34:58: Danke noch mal an Sandra und Lisa für dieses tolles Gespräch.
00:35:01: Für dieses Schifflagen-Thema gibt es noch zwei weitere Podcasts, die ihr in dem Podcast-App eure Wahl hören könntet.
00:35:08: Weitere Informationen über das Mädchentreff findet ihr in den Show notes.
00:35:11: Schifflagen ist ein gemeinsames Projekt der Peter Kelly-Stiftung und der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik und ihr könnt alle Episoden auf dem YouTube-Kanal der Peter Kelly-Stiftung sehen.
00:35:21: Die Musik ist von Kevin McLeod, ich bin Carmen Romano und sage tschüss und bis zum nächsten Mal.
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